Abgetaucht Bunte Fische sieht Miroslaw Gucfa bei seiner Arbeit nie. Stattdessen sieht er fast täglich Perlen sprühenden Lichts – unter Wasser. Denn er arbeitet als Unterwasserschweißer.

Er ist der Mann für außergewöhnliche Fälle: Miroslaw Gucfa schweißt – und zwar unter Wasser.

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Abgetaucht

Miroslaw Gucfa ist Schweißer. Allerdings nicht in einer Werkshalle.

Eine türkisblau schimmernde, mit bunten Fischen durchsetzte Unterwasserwelt sieht Miroslaw Gucfa nie. Tatsächlich beträgt die Sichtweite an seinen wechselnden Arbeitsplätzen oft nicht mehr als 20 Zentimeter. Allerdings sieht er fast täglich, was Sporttaucher wohl nie zu Gesicht bekommen: Perlen sprühenden Lichts, die nur Sekundenbruchteile in einer Umgebung aufblitzen, in der sie eigentlich nichts zu suchen haben – unter Wasser. Der aus Polen stammende, 49-jährige Miroslaw Gucfa ist Unterwasserschweißer.

Ein harter Job, für den er in gleich zwei Berufen perfekt sein muss: Er ist erfahrener Maschinenschlosser und hat seine Ausbildung zum Berufstaucher beim polnischen Militär absolviert. Obwohl er schon seit 1979 taucht, musste er während der zwei Jahre dauernden Zusatzausbildung 200 Tauchstunden nachweisen. „Da kann man nicht einfach ins Wasser springen, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Man muss immer wissen, was man tut“, erklärt Gucfa. Und so lagen die Schwerpunkte seiner Ausbildung bei speziellen Schweißverfahren unter Wasser, Arbeits- und Gerätekunde sowie Tauchmedizin.

Sicherheit ist das A und O

Nur wenige, eigens zertifizierte Betriebe bieten die Ausbildung zum Unterwasserschweißer an und die verlangt den angehenden Spezialisten einiges ab. Mentale Stärke, eine hohe Belastbarkeit und ein robuster Körper sind Bedingung für den Job. „Allein der Helm wiegt 12 Kilogramm. Und die Bewegungsfreiheit im Spezialtaucheranzug ist eingeschränkt “, erzählt Miroslaw Gucfa.

Gefragt ist sein Können bei Reparaturarbeiten an Kaianlagen, Schleusen, Brücken oder Spundwänden. „Das Verfahren, das wir dabei einsetzen ist das Nassschweißen, das dem Lichtbogenschweißen ähnelt“, sagt er und erklärt: „Das Werkzeug wird unter Strom gesetzt und ich bringe eine speziell für diesen Einsatz geeignete Stabelektrode an. Bei Temperaturen von 3000 bis 4000 Grad im Lichtbogen schmelzen der Werkstoff und die Elektrode und bilden eine Schweißnaht.“

Strom unter Wasser? „Ungefährlich ist die Arbeit nicht“, räumt der Taucher ein. Deshalb ist Sicherheit das A und O. Jeder Einsatz wird im Team durchgeführt. Dazu gehören der Einsatzleiter, zwei Reservetaucher und ein Leinmann, der den Taucher mit einer Leine sichert. Kommuniziert wird über ein Tauchtelefon. Drei bis vier Stunden kann Gucfa bei einer Tiefe von acht Metern unter Wasser arbeiten. Täglich, über mehrere Wochen, wenn es notwendig ist.

Qualität zählt

Das Nassschweißen unter Wasser ist reine Handarbeit und die Qualitätsanforderungen an die Schweißnähte sind sehr hoch. „Beim Verschweißen einer gesprungenen Spundwand war ein speziell ausgebildeter Beobachter vor Ort, der den ganzen Prozess gefilmt hat, um eine fundierte Qualitätskontrolle durchzuführen“, erzählt Miroslaw Gucfa. Auf die Frage, ob er denn auch privat gerne tauche sagt er lachend: „Tja, bunte Fische wären schon toll, aber ich bin noch nie so weit verreist, um welche sehen zu können.“

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2010.



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Sagen Sie mal, Herr Gucfa…

… was halten Sie für Ihre größte Stärke? Was halten Sie für Ihre größte Schwäche?

Eine meiner größten Stärken ist mein Drang zur Perfektion. Meine größte Schwäche sind selbstgebackene Kuchen.

… wie würden Sie sich in wenigen Worten charakterisieren?

Auf mich kann man sich verlassen. Ich bin treu, ehrlich und selbstbewusst – manchmal auch kompliziert.

… woraus beziehen Sie Ihre Energie?

Meine Familie ist die Quelle meiner Energie.

… was würden Sie mit auf die sprichwörtliche einsame Insel nehmen?

Natürlich, meine Frau.

… welchen Traum möchten Sie sich in Ihrem Leben auf jeden Fall noch erfüllen?

Mit dem Gleitschirm im wunderschönen Tirol über die Berge fliegen.

„Allein der Helm wiegt 12 Kilogramm. Und die Bewegungsfreiheit im Spezialtaucheranzug ist eingeschränkt“, erzählt Miroslaw Gucfa.


„Ungefährlich ist die Arbeit nicht …“, sagt der erfahrene Berufstaucher Gucfa.


Bei Temperaturen von 3000 bis 4000 Grad im Lichtbogen schmelzen der Werkstoff und die Stabelektoren und bilden eine Schweißnaht.


Sicherheit ist das A und O. Zum Team gehören der Einsatzleiter, zwei Reservetaucher und ein Leinmann, der den Taucher mit einer Leine sichert.