Ferdinand Hein, geschäftsführender Gesellschafter der Hein Gruppe Luxemburg, setzt auf Kundennähe und neue Produkte.

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„Am meisten lernen wir nachts“

Unternehmen müssen ständig geeignete Strategien für sich verändernde Märkte entwickeln. Das heißt: genau zuhören und schnell reagieren. Ferdinand Hein, Frank Schmitz und Daniel Peltier erklären, wie das beim Backofenhersteller Hein funktioniert.


Den kleinen Bäcker um die Ecke kennen viele nur noch von früher. Was bedeutet dieser Wandel für Hein?

Ferdinand Hein: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Backbranche sehr stark verändert. In einigen europäischen Ländern — zum Beispiel Deutschland und den Niederlanden — kam es zu einer Konzentration größerer Betriebe, die zum Teil zwischen 1.000 und 2.000 Mitarbeiter beschäftigen. In Frankreich und Belgien gibt es dagegen weiterhin viele kleine Einmannbetriebe. Die Voraussetzungen in Europa sind also sehr unterschiedlich, darum haben wir bereits vor 15 Jahren eine Innovationsstrategie gestartet, die uns hilft, rasch auf Veränderungen zu reagieren.

Was bedeutet das konkret?

Hein: Da sich der Markt schnell wandelt, konzentrierter, komplizierter und preisorientierter wird, analysieren wir ihn so intensiv wie möglich, um Veränderungen früh zu erkennen. Wir veranstalten beispielsweise regelmäßig Brainstorming-Termine mit ausgewählten Kunden, also Bäckern, und fragen: „Gibt es Trends?“ „Was wollen Sie?“ „Welche Anforderungen haben Sie an unsere Maschinen?“ Am meisten lernen wir übrigens nachts bei unseren Kunden, denn das ist die Hauptarbeitszeit der Bäcker. Auf der Basis dieser Informationen entwickeln wir unsere Prototypen. Ein Ergebnis dieser Vorgehensweise ist unser Hybridofen „Stone-Roll“. Er vereint erstmals die Backeigenschaften eines Ringrohrofens mit denen eines Stikkenofens, also eine ruhige Strahlungshitze mit einfachem Handling. In den vergangenen zehn Jahren hat sich jede unserer Neuentwicklungen durchgesetzt. Künftig wollen wir alle drei Jahre ein neues Produkt auf den Markt bringen.

Ein ambitioniertes Ziel …

Hein: Durchaus. Aber zehn Innovationspreise in den vergangenen 15 Jahren sprechen für den Erfolg dieser Strategie. Wenn es uns gelingt, weiterhin so innovativ zu bleiben, sind wir auf einem guten Weg. Ergeben sich dadurch Konsequenzen für Ihre betriebliche Infrastruktur?

Frank Schmitz: Allerdings. Ein Ergebnis war beispielsweise der Einbau des Stopa-Lagers und der Kauf einer TruLaser 3040 mit LiftMaster und SortMaster von TRUMPF. Außerdem gruppierten wir die Maschinen in der Halle um. Darunter war auch die TruPunch 5000 mit SheetMaster, mit der wir Ende der 90er-Jahre angefangen haben, unseren Betrieb zu automatisieren.

Daniel Peltier: Seit 2010 investierte Hein sieben Millionen Euro in die Produktion. Innerhalb von zwölf Monaten haben wir unsere gesamte Fertigung auf den Kopf gestellt – ohne externe Beratungsunternehmen. Wir überprüften alle Produktionsschritte, erarbeiteten Arbeitsabläufe, die perfekt zu unserer Fertigungstiefe passen, und haben heute einen optimalen Automatisierungsgrad erreicht. Nun stellen wir viele Teile selbst her, deren Fertigung wir sonst auslagern müssten.

Ist Ihre Marketingabteilung ebenso gut aufgestellt wie Ihre Produktion?

Hein: Zu unserer Strategie gehört es auch, neue Wege in der Werbung und im Marketing zu gehen. Neben klassischen Werbeformen und Messebesuchen nützen wir auch unkonventionelle Maßnahmen, um auf unsere Produkte aufmerksam zu machen. Wir haben bereits ausgefallene Aktionen unternommen, um darauf hinzuweisen, dass bei Qualitätsprodukten nicht allein die Investitionssumme entscheidend ist, sondern auch die Langlebigkeit, die Betriebs- und die Servicekosten. Wer diese Aspekte nicht beachtet, hat auf lange Sicht gesehen höhere Kosten.

Kommt die Botschaft­ bei den Kunden an?

Hein: Sie müssen verstehen, dass Qualität ihren Preis hat. Ein Beispiel: Wir bauen unseren Hauptofen mit zwei Millimeter starkem Edelstahl höchster Qualität. Wenn die Endkunden nur noch der Einkaufspreis interessiert, könnten wir den Ofen künftig mit ein Millimeter dicken Blechen bauen. Innerhalb eines Jahres würden wir damit Hunderte Tonnen Edelstahl sparen. Wir denken aber anders. Es gehört zu unserer Unternehmensphilosophie, die Qualität unserer Produkte nicht zu verschlechtern, sondern nur zu verbessern. Außerdem sind wir überzeugt, dass Servicekosten, Energie- und Betriebskosten ebenso wichtig sind wie der Investitionspreis. Und hier sind wir mit unseren Produkten sehr gut aufgestellt.

Wer kau­ft Ihre Öfen – der kleine Bäcker oder der Großbetrieb?

Hein: Wir bauen Öfen für Einmannbetriebe, Tankstellen und Supermärkte, für mittelständische Bäckereien und für Großbäckereien. Unsere Kunden können zwischen sechs Ofen-Familien und 50 verschiedenen Modellen wählen. Unser Exportanteil liegt derzeit bei 98 Prozent. Wir liefern überwiegend in die EU, aber auch in die USA, nach Kanada und Japan. Insgesamt verlassen durchschnittlich 400 bis 500 Öfen pro Jahr unsere Produktionshallen, wobei sich die Stückzahl von Großanlagen innerhalb der letzten fünf Jahre verdreifachte.
 
Die meisten Öfen liefern wir innerhalb von drei bis vier Wochen nach Eingang der Bestellung aus. Vereinbarte Lieferzeiten halten wir übrigens zu 99,8 Prozent ein, was unsere Kunden gleichermaßen erfreut und überrascht. Ab und zu höre ich darum die Frage: „Haben Sie keine Aufträge?“ Ich antworte dann: „Doch, wir sind zu 110 Prozent ausgelastet, aber wir haben bei Hein einen Produktionsprozess, der es uns ermöglicht, schnell zu liefern.“

 

Sie haben Fragen?

Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Sommer 2012.

 



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Bäckers Liebling

Wer:

HEIN Backöfen & Kältetechnik, Strassen, Luxemburg. Gegründet 1882, 250 Mitarbeiter (HEIN Group). www.hein.lu

Was:

Backöfen und Kältetechnik für Bäckereien, Supermärkte, Metzger und Tankstellen weltweit

Womit:

TruPunch 5000 mit SheetMaster, TruBend 5170, TruShear 5064, TruLaser 3040 mit LiftMaster Sort, SortMaster, Stopa Compactlager

Maschinenparkleiter Frank Schmitz und Produktionsleiter Daniel Peltier (rechts) haben die gesamte Fertigung auf den Kopf gestellt und alle Prozessschritte optimiert.


Bei Hein bleiben alle Fertigungsschritte im Haus. Geschnitten, gestanzt und gebogen werden die Teile auf TRUMPF Maschinen.

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