An der Spitze New York hat ein neues Wahrzeichen: das One World Trade Center. Die Blechfassade lieferte Pohl aus Köln, die Spitze Kammetal aus Brooklyn.

Sam Kusacks Unternehmen Kammetal hat die Glas-Stahl-Konstruktion der Spitze des One World Trade Centers gefertigt.

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An der Spitze

In New York nimmt ein neues Wahrzeichen Form an: das One World Trade Center. Die Kammetal Inc. aus Brooklyn und die Kölner Christian Pohl GmbH haben es mitgestaltet.

Von seinem Büro im New Yorker Stadtteil Brooklyn aus blickt Sam Kusack direkt auf die Skyline von Manhattan — und auf eine der meistbeachteten Baustellen der Welt: den Ground Zero. Der hat für ihn eine besondere Bedeutung, denn seine Firma Kammetal Inc. war dort im Einsatz. „Für mich ist es eine große Ehre, am Bau des One World Trade Center mitgewirkt zu haben“, erklärt Kusack. Das auch als „Freedom Tower“ bekannte Gebäude entsteht seit April 2006 am einstigen Standort des World Trade Centers in Lower Manhattan. Entworfen hat es der Architekt Daniel Libeskind, David Childs entwickelte es weiter. Die Kölner Christian Pohl GmbH fertigte die Edelstahlrahmen für die Fassade des Gebäudes, die Spitze stammt von Sam Kusack und seinem Team.

Ein Auftrag für ganz oben

Dass der amerikanische Spezialist für architektonische und dekorative Metallelemente das i-Tüpfelchen des Gebäudes — die Spitze — fertigen sollte, erfuhr Sam Kusack im Juni 2012 durch einen Anruf der Baufirma DCM Erectors. „Sie suchten einen Dienstleister für ein spezielles Projekt. Als sich herausstellte, dass es um die Spitze des One World Trade Centers ging, waren wir natürlich Feuer und Flamme“, erzählt Kusack. Rund drei Monate mussten sich der Jungunternehmer und sein Team gedulden, bis feststand, dass sie aus 15 Unternehmen ausgewählt worden waren, um die Verkleidung der Gebäudespitze zu fertigen. Hinter dieser verbirgt sich ein Strahler, der wie ein Leuchtturm Lichtsignale in den New Yorker Nachthimmel sendet.

OWTC-Spitze-wird-montiert

Im Mai 2013 erhielt das One World Trade Center seine Spitze. Für Sam Kusack war das ein ganz besonderer Moment.

Die Konstruktion besteht aus einer rund 18 Meter hohen, kompliziert geformten Edelstahl- und Glasstruktur. „Insgesamt haben wir rund sieben Tonnen Edelstahl und Glas verarbeitet und auf einen vorgefertigten Rahmen montiert“, erzählt Kusack. „Auf den ersten Blick sieht die Gesamtkonstruktion recht einfach aus. Doch sie besteht aus Tausenden Einzelteilen, die unser Team hergestellt und im Laufe des Fertigungsprozesses auch immer wieder optimiert hat.“ Die vielen verschiedenen Platten schnitt Kammetal auf einer TruLaser 1030 von TRUMPF. „Die Geschwindigkeit und Präzision der Maschine war für den Erfolg des Projektes ausschlaggebend“, so der Geschäftsführer.

Stürmischer Start

Doch der erfolgreiche Abschluss drohte zunächst buchstäblich unterzugehen: Gerade als die Fertigung begann, traf Hurrikan Sandy auf die amerikanische Ostküste. „Über Nacht änderte sich alles“, erinnert sich Kusack. Trotz aller Vorkehrungen stand das Wasser durch die Sturmflut in der Fabrik rund 70 Zentimeter hoch. Auch die TruLaser 1030, eine TruBend 5170 sowie eine TruPunch 1000 waren beschädigt. Schnelle Hilfe erhielt der Unternehmer von TRUMPF in den USA: Während die TruLaser 1030 repariert wurde, lieh der Maschinenhersteller dem Unternehmen eine Ersatzmaschine aus. So konnte Kammetal den Auftrag für das One World Trade Center termingerecht fertigen. Und im Mai 2013 verfolgten Kusack und sein Team von Brooklyn aus, wie die Spitze auf das Gebäude gehoben und montiert wurde.

Mantel aus Köln

Weniger stürmisch ging es zuvor in Köln zu. Die Aufgabe für die Christian Pohl GmbH war keineswegs weniger komplex — das machte sie für den Fassadenspezialisten, der bereits etliche Hochhäuser in London, Paris, Chicago und Hongkong verkleidet hat, besonders spannend: „Dieser Großauftrag war ein ganz besonderes Projekt und eine großartige Herausforderung“, erzählt Geschäftsführer Heinrich-Robert Pohl, der aus dem elterlichen Betrieb ein weltweit agierendes Unternehmen geschaffen hat.

OWTC-Fertigung-Pohl

Trotz dünner Materialstärke mussten die von Pohl gefertigten Paneele absolut plan und verwindungssteif bleiben.

Für die Ausschreibung ließ sich die amerikanische Niederlassung des Kölner Unternehmens etwas Besonderes einfallen und setzte sich mit einem Musteraufbau der mattierten Edelstahlteile an einem Fassadenmodell in Originalgröße gegen die internationale Konkurrenz durch. Das Design des gesamten Gebäudes ist ebenso raffiniert wie das der Spitze. Seine architektonische Finesse liegt in einer Drehung des verkleinerten Grundflächenquadrats um 45 Grad. Die Fassade des Turms wird also nach oben hin immer weiter in sich gedreht. Pohl lieferte die komplexen Elemente aus Edelstahl. Zu diesem Zweck konstruierte das Unternehmen Bauteile aus korrosionsbeständigem Chrom-Nickel-Molybdän, die vier Meter hoch und einen Meter breit sind — insgesamt 250 Tonnen.

Präzise Teile gefragt

Bei der Fertigung der Teile war vor allem eine hohe Präzision gefragt: „Die besondere Herausforderung war unter anderem, trotz dünner Materialstärke eine hohe Planebenheit und Steifigkeit bei hoher Windlast zu gewährleisten“, sagt Heinrich-Robert Pohl. Mit einer TruPunch 5000 setzte das Team die Anforderungen präzise um. Zusätzliche Versteifungen an den Rückseiten der Paneele sorgen dafür, dass diese absolut plan und verwindungssteif bleiben. „Denn in 400 Meter Höhe können durchaus gewaltige Windkräfte an den Ecken des Gebäudes, hier speziell an den Paneelen, drücken und zerren“, erklärt der Firmeninhaber weiter. Dass sie dem standhalten, haben die Elemente während des Hurrikans Sandy bewiesen und mit der Spitze aus Glas und Edelstahl hat New York seit Mai 2013 ein neues Wahrzeichen.

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2013.



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Architektur, Möbel und Licht

Wer:

Kammetal Inc., Brooklyn, New York, USA. Gegründet 2001, 25 Mitarbeiter. www.kammetal.com

Was:

Der New Yorker Lohnfertiger hat sich auf architektonische und dekorative Blechelemente spezialisiert. Dazu gehören neben komplexen Architekturprojekten auch hochwertige Möbel oder Prototypen für Beleuchtungen sowie die Fertigung der Endprodukte

Womit:

TruLaser 1030, TruPunch 1000,
TruBend 7036, TruBend 5170

Gebäude, schön verpackt

Wer:

Christian Pohl GmbH, Köln. Gegründet 1856, 500 Mitarbeiter. www.pohlnet.com

Was:

Das Familienunternehmen verkleidet Gebäude weltweit mit hochwertigen Metallfassaden, beispielsweise die Kölnmesse, den Walker Tower in NY, das „Transportation Hub“ auf dem Gelände des WTCs, den Eiffelturm in Paris und den Spaceport America in New Mexico

Womit:

TruPunch 5000, 2 x TruLaser 5060, TrumaBend V170

Die Edelstahlspitze vor der Auslieferung in der Kammetal-Fertigung in Brooklyn.


Gewichtige Fracht: Anlieferung der in Köln gefertigten Fassadenelemente am Ground Zero in New York.


Die von Pohl konstruierten Bauteile sind vier Meter hoch, einen Meter breit und wiegen insgesamt 250 Tonnen.

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