Auf Tour Roger Willems steht nicht gern im Rampenlicht. Dabei macht er mit seinem Unternehmen Penn Elcom gerade dort seinen Umsatz.

„Wir haben uns entschieden, eigene Produkte zu fertigen. So haben wir immer eine Zukunft“, sagt Roger Willems, Geschäftsführer von Penn Elcom.

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Auf Tour

Produkte von Penn Elcom finden sich auf fast jeder Bühne. Wie das geht, weiß Geschäftsführer Roger Willems: indem man auf dem Boden bleibt und jede Menge Spaß bei der Arbeit hat.

Roger Willems ist kein Mann großer Gesten. Er wirkt zurückhaltend, besonnen und ruhig. Das kombiniert er mit einer gehörigen Portion schottischem Humor: sehr trocken und äußerst liebenswert. Bodenständig — dieses Attribut fällt einem schon nach einem kurzen Gespräch ein. Auch das Firmengebäude von Penn Elcom im britischen St Leonards-on-Sea versprüht wenig Glamour. Dabei hat der 65-jährige Schotte eigentlich wenig Grund für Zurückhaltung: Als Hersteller von Zubehör für Bühnentechnik ist sein Unternehmen Penn Elcom international erfolgreich. Transportboxen für Musikequipment, Bleche für Lautsprecherboxen und Bühnenelemente sind die Welt von Willems. Beim Gang durch die Fertigung wird schnell klar: In den verzweigten und verwinkelten Räumen wird handwerklich gearbeitet, und das auf höchstem Niveau.

Ein ganz normales Unternehmen

Warum eigentlich ausgerechnet Bühnenzubehör? „Das war reiner Zufall. Andrew McCollouch — ebenfalls ein Schotte — fertigte in London Transportboxen und beauftragte mich, ein Teil für ihn zu machen”, sagt Willems und lächelt. Die Frage, ob er da seine musikalische Ader auslebe, beantwortet er mit einem klaren Nein: „Ich kann nicht einmal im Takt klatschen.“ Seit 1974 beliefert Penn Elcom professionelle Lautsprecherhersteller — alle bekannten Marken — mit Zubehör wie Rahmen, Gehäusen und Halterungen. Auch etwa 90 Prozent aller Hersteller von Transportboxen, sogenannter „Flight Cases“, weltweit gehören zu seinen Kunden, schätzt Willems.

Als Lohnfertiger zu arbeiten, sei für ihn keine Option gewesen: „Nicht, als mir klar wurde, wie stark wir dann von den Entscheidungen unserer Kunden abhängig sind”, sagt er und fügt hinzu: „Wir haben uns dafür entschieden, unsere eigenen Produkte zu fertigen. So stellen wir sicher, dass wir immer eine Zukunft haben.“ Was Penn Elcom besonders macht? „Unsere Einstellung. Wir sind völlig normale Jungs, aber wir sind davon überzeugt, dass wir unsere Produkte so gut machen müssen wie die Deutschen und so gut organisiert sein sollten wie die Japaner — kombiniert mit dem englischen Chaos, das uns von allen anderen unterscheidet.”

Auf sein Team kann sich Roger Willems verlassen – und das weltweit: „Ich arbeite mit großartigen und motivierten Menschen zusammen“, betont er.

Als Erfolgsfaktor nennt Willems sein Team und betont: „Auf der ganzen Welt arbeite ich mit völlig normalen Menschen zusammen. Die Belegschaft in China besteht einfach aus Männern und Frauen, die versuchen, beste Produkte zu fertigen. Diese Einstellung finde ich auch in unseren britischen Niederlassungen und in Brasilien — wir sind ein Team aus großartigen und motivierten Menschen.“

Weltweit auf Tour

Seit 1986 ist Penn Elcom international mit eigenen Produktions- und Vertriebsstandorten vertreten. Die meisten Teile fertigt das Unternehmen in Großbritannien und China, einiges Zubehör wird aber auch an weiteren Standorten produziert. „In Kalifornien haben wir eine große Laminierfabrik und in Kanada einen Schweiß- und Entwicklungsstandort. In Brasilien montieren wir“, sagt Willems. Er setzt auf eine enge Zusammenarbeit der Standorte: „Unseren Mitarbeitern in Großbritannien und China haben wir immer vermittelt, dass sie für dasselbe Unternehmen arbeiten. So tappen wir nicht in die Falle, billige Teile anzubieten. Wir übernehmen die besten Ideen voneinander und besprechen Probleme und Lösungen ständig miteinander.“

Der Vorteil weltweiter Standorte liegt für ihn auf der Hand: „Sie eröffnen uns neue Möglichkeiten und Märkte. China ist für uns ein großer Wachstumsmarkt. Dort müssen wir einfach vor Ort sein.“ Nach den Herausforderungen gefragt, die die Koordination der verschiedenen Standorte mit sich bringt, muss Willems grinsen: „Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Übersetzungen sind eine wundervolle Sache. Wenn mir jemand sagt, dass wir zu einem Termin fahren und es eine Stunde dauern wird, frage ich: eine englische oder eine chinesische Stunde?” Er nimmt es mit Humor und genießt seine Arbeit: „Für uns ist die Welt ein Markt. Ich muss nur ein bisschen mehr reisen. Das macht mir Spaß, denn ich treffe viele nette Menschen, die unsere Produkte verwenden.“

Zufriedene Mitarbeiter und Kunden

Der Katalog von Penn Elcom ist gut gefüllt — aus mehr als 3.000 Produkten rund um die Bühnentechnik können die Kunden wählen. Ein breites Spektrum, das es zu handhaben gilt. Willems‘ Ansprüche sind hoch: „Wir schauen uns jeden Auftrag ganz genau an und machen, was der Kunde möchte, oder bieten ihm eine vergleichbare Lösung an. Auftragsrückstände darf es nicht geben.” Wie passen solche Ansprüche mit einer angenehmen Arbeitsatmosphäre zusammen? „Der Versuch, im Geschäft zu bleiben und die Kosten unter Kontrolle zu behalten, ist ein Balanceakt, der einem das Leben leider nicht immer einfach macht“, bestätigt er. „Aber meine Mitinhaber und ich geben unser Bestes, unsere Mitarbeiter zu unterstützen und ihnen einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Ich denke, alles in allem machen wir das gar nicht schlecht.“ Sein Rezept für zufriedene Mitarbeiter besteht aus drei Zutaten: „Etwas Respekt, angemessene Gehälter und großartige Weihnachtspartys.“

Hohe Anforderungen stellt Willems auch an die Leistung seiner Maschinen. Alle drei Jahre ersetzt er die bestehenden Anlagen durch neue. Auf die Frage nach seiner Investitionsstrategie antwortet er trocken: „Wir schauen stündlich unsere finanziellen Mittel an und dann sage ich zu meinem Partner: ‚Phil, in den nächsten fünf Jahren muss ich sämtliche Maschinen in China ersetzen.‘ Er beruhigt mich, gibt mir einen Zeitrahmen und das Geld und dann machen wir das. Den Return on Investment berechnen wir nicht. Wenn wir in fünf Jahren noch am Markt sein wollen, brauchen wir einfach gute Maschinen.“

Automatisierte Faszination

Seinen Maschinenpark nennt Willems liebevoll ‘TRUMPF City’. Stanz-, Biege- und Lasermaschinen aus Ditzingen stehen in seiner Fertigung. Das war anfangs anders: „Meine ersten CNC- und Lasermaschinen habe ich nicht bei TRUMPF gekauft. Auf einer Messe in Großbritannien schaute ich mich dann nach neuen Maschinen um. Dort sah ich eine beeindruckend schnelle Maschine, die jedoch beim Entladen alles andere als beeindruckend war. Daraufhin besuchte ich den TRUMPF Stand. Da es deutsche Maschinen waren, ging ich davon aus, dass sie teuer sein würden. Ich ging trotzdem hin und sah die damals neue TruPunch 2020 sowie Lasermaschinen mit Automatisierung zum Be- und Entladen. Beides erschien mir einfach logisch und ich sah, dass ich mir die Kosten und den Frust beim manuellen Entladen sparen konnte.

Als großer Celtic-Glasgow-Fan sprach ich Scott Simpson, ebenfalls ein Schotte und heute Geschäftsführer von TRUMPF Großbritannien, an und sagte: ‚Zu schade, dass Sie ein Glasgow-Rangers-Fan sind.‘ Natürlich besänftigte er mich mit der Aussage, er sei gar kein großer Fan. Es war also klar: Ich mochte den Verkäufer — und die Maschinen sind einfach wundervoll. Ich beobachte sie gerne, wenn es Zeit zum Be- und Entladen ist. Das ist, als ob man jemandem dabei zuschaut, wie er gerade etwas sehr Schlaues macht.“

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Frühling 2013.

 



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Alles für den großen Auftritt

Wer:

Penn Elcom Limited, St Leonards-on-Sea, England. Gegründet 1974, 650 Mitarbeiter. www.penn-elcom.com

Was:

Der englische Hersteller fertigt Zubehör rund um die Bühnentechnik und beliefert Unternehmen weltweit mit Teilen für Transportboxen, Lautsprecher und Musikequipment

Womit:

4 x TruPunch 2020, 2 x TruLaser 2025, TruLaser 2030, TruBend 3066, TruBend 3120

Seinen Maschinenpark nennt Roger Willems liebevoll ‚TRUMPF City‘.


Die meisten Teile fertigt das Unternehmen in Großbritannien und China, einiges Zubehör wird aber auch an weiteren Standorten produziert.


Die Automatisierung der TRUMPF Maschinen begeistert Roger Willems.

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