Blech vom Balkan Drei Länder, drei Unternehmen, ein Erfolgsrezept: hochwertige Blechteile vom Balkan für den europäischen Markt.

Angel Jelevs Mitarbei­ter fertigen im Dreischichtbetrieb Gehäuseteile, Schalungen für Betonblöcke und Teile für die Eisenbahnindustrie.

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Blech vom Balkan

Was haben der Slowene Marjan Volpe, der Kroate Goran Sutalo und der Bulgare Angel Jelev gemeinsam? Sie bearbeiten Blech auf dem Balkan. Drei Erfolgsgeschichten.

Zieht man auf der Landkarte eine Linie von Triest im Nordosten Italiens bis zur sogenannten „Perle am Schwarzen Meer“, der ukrainischen Hafenstadt Odessa, dann befindet sich südlich davon der Balkan. Was aus geografischer Sicht eine einheitliche Region in Form einer Halbinsel zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer darstellt, ist wirtschaftlich und politisch die heterogenste Region Europas. So durchkreuzt die Balkanlinie beispielsweise auch Slowenien.

Hightech aus Slowenien

Das kleine Land zwischen Österreich, Italien und Kroatien, das sich dem Balkan aber nie so richtig zugehörig fühlte, hat sich nach dem Auseinanderfallen des jugoslawischen Staates schnell Richtung Westen ausgerichtet. „Plötzlich schrumpfte der Binnenmarkt von 22 auf zwei Millionen Verbraucher. Da mussten viele Weichen neu gestellt werden“, erinnert sich Marjan Volpe. 1993, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Sloweniens, gründete der 45­jährige Maschinenbauingenieur die Firma SIP Sico — zunächst als Tochterunternehmen des Herstellers für Landwirtschaftsmaschinen SIP.

Sico_Marjan_Volpe_Stopalage

„Wir setzen auf Qualität, technologisches Know-how und die Zulieferung teilfertiger Produkte,“ erläutert Marjan Volpe.

Begonnen hat SIP Sico damals mit 25 Mitarbeitern als ausgelagerte Fertigung von Blechteilen für Mähwerke, Kreisel­ und Bandwender oder Stalldungstreuer. Im wirtschaftlich aufstrebenden Slowenien der 1990er­Jahre entwickelte sich das Unternehmen jedoch schnell zu einem florierenden Blechbearbeitungsbetrieb und Auftragsfertiger mit internationaler Kundenliste. Profitiert hat Marjan Volpe auch von der guten infrastrukturellen Anbindung an die umliegenden Unternehmen aus der Metallindustrie in Kroatien, in Udine und im Großraum Graz.

„Da das Kostenniveau verglichen mit unseren Balkannachbarn höher ist, haben wir schnell erkannt, dass wir auf Qualität, technologisches Know­how und die Zulieferung teilfertiger Produkte setzen müssen“, erläutert Sico­Geschäftsführer Volpe. Und ergänzt: „Das sind Anforderungen, die wir nur mit den besten Maschinen erfüllen können.“ Aus diesem Grund investierte Marjan Volpe im Jahr 2000 in die erste Laserschneidmaschine von TRUMPF. Seitdem hat er seinen Maschinenpark konsequent mit den Produkten aus Ditzingen ausgebaut und wurde damit zum bedeutendsten Unternehmen für Laserschneiden und Blechumformung in Slowenien.

Nach jahrelangen Wachstumsraten zwischen zehn und 50 Prozent erforderte die Krise 2009 eine Neuausrichtung des Unternehmens. Das Rezept Marjan Volpes lautet: Eigene Produkte entwickeln. Heute produziert Sico neben Hubtischen und Stromtankstellen auch Holzspalter für den europäischen Markt — in Deutschland werden diese unter dem Markennamen Robust vertrieben. Auch in der Elektromobilität sieht Marjan Volpe einen wichtigen Wachstumsmarkt. Dementsprechend ambitioniert sind seine Ziele: Die Mitarbeiterzahl soll von heute rund 70 in den nächsten fünf Jahren auf 150 bis 200 wachsen. Mit neuen Produkten, insbesondere für grüne Technologien, will Volpe über die Grenzen der EU hinaus auf den Weltmarkt.

Kaminöfen aus Kroatien

Mit Exportorientierung hat es auch der Kroate Goran Sutalo von Color Emajl vom einfachen Handwerker zum mehrfach für seine unternehmerischen Leistungen ausgezeichneten Manager gebracht. Was vor über 30 Jahren im kroatischen Teil Jugoslawiens am nordöstlichen Rand des Balkans als kleine Produktion von Ersatzteilen für Waschmaschinen begann, ist heute einer der größten europäischen Hersteller von Kaminöfen und Rauchrohren. Mit den Herausforderungen eines sozialistischen Wirtschaftssystems kam der findige Unternehmer dabei genauso zurecht wie mit der Hyperinflation der frühen 90er­Jahre. In dieser Zeit kehrte der Unternehmer sogar zum Tauschhandel zurück, weil längere Lieferzeiten und Preisvereinbarungen schlichtweg einem Glücksspiel glichen.

Color Emajl produziert Kaminöfen. Das Erfolgsrezept des Unternehmens erklärt Goran Sutalo: „Wir investieren jedes Jahr unseren kompletten Gewinn in neue Technologien und hochmoderne Maschinen.“

„Nach der wirtschaftlichen und politischen Stabilisierung stiegen wir 1996 in die Produktion unserer Kaminöfen ein“, berichtet Sutalo. Sein Erfolgsrezept bringt der Selfmademan mit einem Wort auf den Punkt: „Qualität! Dazu investieren wir jedes Jahr unseren kompletten Gewinn in neue Technologien und hochmoderne Maschinen.“ Dass er es mit Qualität ernst meint, zeigt nicht nur die ISO­9001­Zertifizierung, sondern auch ein Blick in die Werkshallen: Neben den Firmenfarben Gelb und Grau dominiert im Maschinenpark die Farbe Blau. Zwei TRUMPF Laserschneideanlagen — die dritte befindet sich gerade im Aufbau —, drei Biegemaschinen und eine Tafelschere sind hier im Einsatz. „Mit diesen Maschinen stellen wir die Qualität sicher, die unsere Kunden von uns erwarten.“

Heute verarbeitet Color Emajl damit jährlich über 2.500 Tonnen Blech zu über 17.000 Kaminöfen. Goran Sutalo dazu: „98 Prozent unserer Erzeugnisse exportieren wir ins europäische Ausland, den Großteil davon in die EU­Staaten. Vom Beitritt Kroatiens zur EU im nächsten Jahr erhoffen wir uns deshalb deutliche Wachstumsimpulse.“ Derzeit beschäftigt Color Emajl rund 325 hoch qualifizierte Mitarbeiter und Sutalo sieht sich am Standort in Požega in Slawonien gut aufgestellt: „Hier in der Region befindet sich auch ein technisches Ausbildungszentrum. In Kombination mit unserem betriebsinternen Schulungsprogramm haben wir Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern, die wir für unser Wachstum benötigen.“

Outsourcing nach Bulgarien

Ähnlich günstig in puncto Fachkräfte für die Blechbearbeitung ist die Situation in Bulgarien. Das Land im Zentrum des Balkans hat eine lange Tradition in der Metallverarbeitung und einen im internationalen Vergleich hohen Ausbildungsstandard. Besonderes Plus: Das Lohnniveau liegt deutlich unter dem Sloweniens oder Kroatiens. Außerdem ist das Land seit 2007 EU-­Mitglied und die nationale Währung Lew ist fest an den Euro gekoppelt. Damit können die rund 20 großen Lohnfertiger des Landes ihrer wachsenden ausländischen Kundschaft gute Konditionen bieten.

3A-Steel_Angel_Jelev

„Um zuverlässig Topqualität liefern zu können, benötigten wir natürlich einen entsprechenden Maschinenpark“, berichtet Angel Jelev von 3A Steel. Das Unternehmen produziert professionelle Kücheneinrichtungen.

„Bulgarien etabliert sich zunehmend als attraktiver Standort für Outsourcing-­Leistungen innerhalb Europas“, bestätigt auch Angel Jelev, der im Jahr des EU­Beitritts seines Heimatlandes gemeinsam mit einem Partner den Blechbearbeitungsbetrieb 3A Steel gründete. „Wir wollten von Anfang an einen Betrieb nach den höchsten Standards aufbauen und uns bei ausländischen Unternehmen als Sublieferant etablieren. Um zuverlässig Topqualität liefern zu können, benötigten wir natürlich einen entsprechenden Maschinenpark“, berichtet Angel Jelev. Die Anlagen fand der 40­jährige Ingenieur bei TRUMPF.

Eine Kalkulation, die aufging: Heute beläuft sich der Exportanteil von 3A Steel auf fast 90 Prozent. Den restlichen Umsatz erwirtschaftet Jelev mit Laserschneidaufträgen von bulgarischen Unternehmen sowie der Produktion professioneller Kücheneinrichtungen. Trotz der europäischen Finanz­ und Bankenkrise sind die Perspektiven gut. Das gilt für das Land Bulgarien ebenso wie für Angel Jelev. Jüngst belegte das Handelsblatt den Sanierungskurs Bulgariens mit dem Prädikat „Spar­Europameister“. „Im Gegensatz dazu sind wir Investitionsmeister“, schmunzelt der 3A Steel­-Geschäftsführer.

Da seine Mitarbeiter bereits im Dreischichtbetrieb Gehäuseteile, Schalungen für Betonblöcke oder Teile für die Eisenbahnindustrie produzieren, plant er für nächstes Jahr die Anschaffung einer zweiten Laserschneidmaschine. Um diese noch effizienter nutzen zu können, soll sie gleich in einer neuen Halle zusammen mit einer neuen Abkantpresse sowie einer Tafelschere stehen. Die Weichen für Wachstum sind auch in Bulgarien richtig gestellt.

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

 Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2012.



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Blechbearbeitung auf dem Balkan

Slowenien

Slowenien ist das Land mit den meisten Laserschneidanlagen pro Einwohner in der EU. Aufgrund der starken Exportorientierung arbeiten die slowenischen Blechbearbeiter auf höchstem technologischem Niveau. Fachkräfte stehen zurzeit ausreichend zur Verfügung. Das Lohnniveau liegt zwischen 1.500 und 2.400 Euro (Maschinenbediener/Programmierer) brutto im Monat.

Kroatien

Die Zahl der reinen Blechbearbeitungsunternehmen in Kroatien beträgt etwa 250. Die meisten produzieren eigene Produkte und nutzen freie Kapazitäten für die Lohnfertigung. Die Zahl der reinen Lohnfertiger wird auf unter zehn geschätzt. Fachkräfte aus der Metallbearbeitung stehen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit ausreichend zur Verfügung. Das Bruttolohnniveau liegt bei 500 bis 1.500 Euro (Maschinenbediener/Programmierer) monatlich.

Bulgarien

Rund 300 Blechbearbeitungsbetriebe gibt es in Bulgarien, zumeist Klein- und Kleinstunternehmen. Nur 21 Unternehmen beschäftigen über 20 Mitarbeiter und arbeiten als Lohnfertiger auf höchstem internationalem Niveau. Das monatliche Bruttolohnniveau liegt bei 400 bis 1.000 Euro (Maschinenbediener/Programmierer).

Lohnfertiger und Produzent

Wer:

Sico d.o.o., Petrovče, Slowenien. Gegründet 1993, 70 Mitarbeiter. www.sico.si www.sico.si

Was:

Sico ist der größte Dienstleister für Laserschneiden in Slowenien, deckt die komplette Prozesskette ab und fertigt eigene Produkte wie Holzspalter, Hubtische oder Elektrotankstellen

Womit:

2 x TruLaser 3030, TruLaser 5030, TruBend 5230, TrumaBend V 130, TrumaBend V 85

Findiger Kaminofenhersteller

Wer:

Color Emajl, Požega, Kroatien. Gegründet 1980, 325 Mitarbeiter. www.color.hr

Was:

Color Emajl fertigt Kaminöfen und Rauchrohre. Freie Maschinenkapazitäten werden für die Auftragsfertigung genutzt

Womit:

TruLaser 3040 mit LiftMaster, 2 x TruLaser 3030 mit LiftMaster, 3 x TruBend 3066, TruShear 8042, Laserschweißzelle mit TruFlow Laser (5 kW)

Exportorientierter Job-Shop

Wer:

3A Steel, Radomir, Bulgarien. Gegründet 2007, 34 Mitarbeiter. www.3asteel.com

Was:

Das Unternehmen ist Lohnfertiger und Sublieferant für Transport-, Bau- und Elektroindustrie

Womit:

TruLaser 3030, TruPunch 1000, TruBend 5170

Sico_TruLaser

Seit 2000 hat Marjan Volpe von Sico konsequent in Maschinen aus Ditzingen investiert.

Sico_Mitarbeiter_Montage

Die Mitarbeiterzahl bei Sico soll von heute rund 70 in den nächsten fünf Jahren auf 150 bis 200 wachsen.

Vor über 30 Jahren begann Color Emajl als kleiner Produzent von Ersatzteilen für Waschmaschinen. Heute ist das Unternehmen einer der größten europäischen Hersteller von Kaminöfen und Rauchrohren.

Derzeit beschäftigt Color Emajl rund 325 hoch qualifizierte Mitarbeiter.

3A-Steel_Qualifizierte_Mita

Fachkräfte zu finden, ist in Bulgarien kein Problem – das Land hat einen hohen Ausbildungsstandard.

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