Der Bahnversteher Komplexe Baugruppen für Schienenfahrzeuge, das ist die Welt von Uwe Distler. Gefragt sind 100 Prozent Qualität — er kann sie liefern.

Uwe Distler weiß, was die Bahnindustrie braucht: hochwertige Teile. Darauf hat er die Fertigung von Kaufmann ausgerichtet.

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Der Bahnversteher

Uwe Distler weiß, was geprüfte Qualität wirklich heißt. Bei Kaufmann in Schwegenheim produziert er für die Bahnindustrie — und die fordert 100 Prozent Sicherheit.

Sie waren lang, die vergangenen Arbeitstage von Uwe Distler. Und sie hatten es in sich: Mehrere Kundenaudits galt es zu meistern, alles musste passen. Distler ist erleichtert, es hat wieder einmal geklappt. Im rheinland-pfälzischen Schwegenheim leitet er den Geschäftsbereich Metalltechnik der Kaufmann GmbH & Co. KG. Bauteile für Lokomotiven und S-Bahnen sind das Hauptgeschäft des Unternehmens. Damit es sie überhaupt fertigen darf, müssen hohe Qualitätsanforderungen erfüllt sein. „Wir liefern sicherheitsrelevante Baugruppen, wie Unterflurcontainer. Sie sitzen später unten an den S-Bahn-Waggons und ein Großteil der Elektronik für den Fahrzeugantrieb ist darin untergebracht“, erklärt Distler. Entsprechend genau prüft die Deutsche Bahn diese Bauteile und die Fertigungsprozesse. „Neben bestimmten Grundwerkstoffen dürfen wir nur von der Bahn zugelassene Schweißzusätze verwenden“, erläutert er die Auflagen. „Und nur ein Schweißer, der auf diesen Werkstoff, diese Materialdicke und auf diese Nahtart geprüft ist, darf die Teile fügen.“ Kaufmann punktet mit hochwertigen Baugruppen und hat sich auch beim Aluminiumschweißen einen Namen gemacht. „Wir haben hier 30 geprüfte Aluminiumschweißer, denn das Fügen dieses Materials ist nochmals eine besondere Herausforderung“, so Distler.

Die Bahnindustrie ist ein hart umkämpfter Markt. Die Hauptserien werden rein über den Preis vergeben.

Ob sämtliche Parameter stimmen, analysiert der Zulieferer mittels Arbeitsproben, die Schweißnähte werden in Farbeindringprüfungen getestet und regelmäßig vom TÜV geröntgt. Voraussetzung, um überhaupt an Aufträge für die Schienenfahrzeugindustrie zu kommen, war eine Reihe von Zertifizierungen, zum Beispiel nach DIN EN 15085, die das Schweißen im Schienenfahrzeugbau regelt. Neu ist die sogenannte IRIS-Zertifizierung. „Damit entsprechen wir dem International Railway Industry Standard und zeigen unseren Kunden, dass wir ihre Anforderungen erfüllen. Das spart ihnen und uns separate Prozessaudits“, erklärt Distler.

Kaufmann-TruPunch-5000

Kaufmann fertigt komplexe Baugruppen. Die TruPunch 5000 liefert die präzisen Teile dazu und hat zwei alte Maschinen ersetzt.

Rüstzeiten? Null!

Ganz schön viel Aufwand. Dabei ist die Schienenfahrzeugindustrie längst keine Nische mehr. „Das ist heute ein hart umkämpft er Markt“, sagt Distler. „Vor allem über die Hauptserien entscheidet der knallharte Wettbewerb mit Osteuropa. Das geht rein über den Preis.“ Der günstigste Anbieter gewinnt, so einfach ist das. Welche Hebel hat ein Unternehmen wie Kaufmann da überhaupt noch? „Die Rüstzeiten müssen runter“, so Distler. Geschafft hat er das mit einer TruPunch 5000, die mit einem SheetMaster an ein Stopa-Kompaktlager angebunden ist. „Durch diese Konfiguration haben wir zwei alte Maschinen ersetzt. Ein wichtiger Schritt war für uns außerdem der Kauf des ToolMasters“, ergänzt er. Mit dem ToolMaster hält Kaufmann 40 zusätzliche Werkzeuge vor. Insgesamt sind so 60 Werkzeuge immer verfügbar. Bei den kleineren Stückzahlen bis 100, die Kaufmann in der Regel fertigt, ist das entscheidend. „Mit unserer neuen Automatisierungslösung gehen die Rüstzeiten beim Stanzen mittlerweile wirklich gegen null“, betont Distler. So kann er komplexe Baugruppen schnell und wirtschaftlich fertigen — darauf liegt sein Fokus. „Rein von Platinen und gebogenen Teilen könnten wir heute nicht mehr leben“, sagt er. „Aber für komplexe Bauteile sind wir die Richtigen!“

Kaufmann-Stopa-Lager

„Mit der Kombination von TruPunch 5000 und Stopa-Kompaktlager gehen unsere Rüstzeiten gegen null“, betont Uwe Distler.

Clever konstruieren

Die großen Serien peilt er darum gar nicht an. Distler will an die Vorserien, in denen noch viel Fertigungs-Know-how steckt: Konstruktionsunterstützung lautet sein Erfolgsmodell. Denn Zertifizierungen und moderne Technologien sind für ihn nur ein Element in dem hart umkämpften Markt. „Das alleine reicht nicht, wir müssen dem Kunden einen Zusatznutzen bieten.“ Darum setzen sich seine Konstrukteure mit denen des Kunden zusammen und optimieren die Bauteile gemeinsam. Für Distler ist das der Garant für optimale Ergebnisse: „Der Konstrukteur des Kunden kennt ganz genau die Anforderungen an das Bauteil, wie beispielsweise die Einbausituation im Fahrzeug, und unser Konstrukteur weiß, wie man es am wirtschaftlichsten fertigt.“ Unzählige Schweißnähte und Nietverbindungen konnten er und sein Team so bereits reduzieren. Ein Führerpult haben sie mitentwickelt und die Teilevielfalt stark reduziert — auch für Folgeprodukte.

Damit sind sie nah am Kunden, das ist Distler wichtig: „Wir wollen keine Eintagsfliegen, unsere Kundenbeziehungen sind alle langjährig.“ Darum hat jeder Kunde einen festen Ansprechpartner, der sich um seine Anfragen kümmert. Das gilt auch dann, wenn Aufträge gemeinsam mit dem zweiten Unternehmenszweig, der Elektrotechnik, ausgeführt werden, den Kaufmann-Geschäftsführer Franz Bognar verantwortet. Die Möglichkeit, Aufträge gemeinsam abzuwickeln, bringt Vorteile. Distler betont: „Wenn der Kunde es wünscht, liefern wir nur die mechanische Komponente, wir können aber auch die komplette Einheit mit Verdrahtung und elektronischer Prüfung fertigen. Das können unsere Mitbewerber nicht.“

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2014.


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Die Bahnspezialisten

Wer:

Kaufmann GmbH & Co. KG, Schwegenheim. Gegründet 1958,
150 Mitarbeiter. www.kaufmann-ems.com

Was:

Die beiden Geschäftsbereiche Metalltechnik und Elektrotechnik beliefern Kunden aus der Bahn-, Pharma- und Textilindustrie sowie Energieversorger mit komplexen Baugruppen aus Blech sowie mit kompletten Trafostationen und Schaltanlagen

Womit:

TruPunch 5000, angebunden an Stopa-Kompaktlager, TruLaser 3040

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