Die Wandelbare Gosia Warrinks Metallobjekte lassen sich wenden. Strahlt eine Seite in Weiß oder in Neonfarben, überrascht die andere mit einer puren Metalloberfläche oder organischer Oxidation.

„Meine Objekte sind wandelbar. Sie verändern die Räume — und das immer wieder neu“, sagt Gosia Warrink.

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Die Wandelbare

Gosia Warrinks Metallobjekte haben zwei Seiten. Die Designerin hat viele.

„Kunst ist ein großes Wort“, sagt Gosia Warrink. Sie bezeichnet sich lieber als Designerin denn als Künstlerin. Und doch fertigt sie, überwiegend in Handarbeit, individuelle Metallobjekte, von denen keines dem anderen gleicht. Kupfer- oder Stahldraht verwandelt sich in ihrer Hand in fragil anmutende Drahtbilder, die an mondäne Modezeichnungen erinnern. Rötlich schimmernde Kupfer- oder kühl glänzende Aluminiumplatten macht sie durch scherenschnittähnliche Cutouts mit Tier- oder Frauenmotiven zu Wandobjekten. Reduzierte, exakt ausgestanzte Formen stehen hier in Kontrast zu verspielten Details, wie Fischgratmustern, die man von Stoffen kennt.

Eine Besonderheit der Arbeiten der Berlinerin ist, dass sie sich wenden lassen: Strahlt eine Farbe Seite in Weiß oder in Neonfarben, überrascht die andere mit einer puren Metalloberfläche oder organischer Oxidation. „Es war mir wichtig, von der konventionellen, einseitigen Bildwahrnehmung wegzukommen. Meine Objekte sind wandelbar. Sie verändern die Räume, in denen sie hängen — und das immer wieder neu“, erklärt die 39-Jährige.

Offen für Veränderung

Gosia Warrink ist in Polen geboren und studierte Germanistik und Linguistik in Warschau. Als sie 1995 in Berlin ein Stipendium bekommt, zieht sie nach Deutschland und setzt hier ihr Studium fort. „Ich war schon immer vielseitig interessiert. Mein Faible für Design und Kunst ist wahrscheinlich ein Erbe meiner Mutter, die Kunst unterrichtete“, erzählt sie.

Nach ihrem Abschluss beginnt sie daher eine zweite Ausbildung und studiert visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Kein Umweg, sondern eine gute Fügung, findet Gosia Warrink, denn in vielen Projekten verbindet sie heute Sprache und Kunst. Während ihres Kunststudiums arbeitet sie mit unterschiedlichen Materialien. Sie liebt Scherenschnitte und zeichnet gerne — Techniken, die sie für ihre Metallarbeiten adaptiert.

Selbstgemachte Werkzeuge

Zur Bearbeitung des Metalls nutzt sie zum Teil Werkzeuge, die auch Juweliere verwenden. Für gröbere Arbeiten, wie das Schleifen, hat sie Maschinen. „Viele Werkzeuge sind selbst gemacht. Mein Vater ist Ingenieur und hat mir geholfen, sie zu entwickeln“, erzählt sie. Bei den großflächigen Metallobjekten arbeitet Gosia Warrink mit Dienstleistern zusammen. Sie übernehmen nach genauer Vorgabe Stanz- und Laserarbeiten. Die Nachbearbeitung, also das Schleifen, das Lackieren, Oxidieren und Versiegeln ist wieder Sache der Designerin.

Experimentieren gehört dazu

Um mit Metall arbeiten zu können, experimentierte Gosia Warrink viel und hat zahlreiche Techniken selbst entwickelt. „Speziell bei der Oxidation wende ich zum Teil sehr ausgefallene Verfahren an, von denen ich sonst noch nirgends gehört habe“, erzählt sie. Denn nicht Chemikalien, sondern eher Zutaten aus der Apotheke, dem Supermarkt oder dem Asia-Shop finden den Weg auf ihre Bleche. Sie verleihen den Objekten ihre spezielle Patina und machen jedes Teil zu einem Unikat, weil das genaue Ergebnis nie ganz vorhersehbar ist.

Für ihre Drahtbilder fertigt Gosia Warrink nach der Freihandzeichnung und der Detailzeichnung am Computer eine Papiervorlage in Originalgröße an. „Und dann fange ich an, zu biegen. Manchmal entsteht während der Arbeit etwas ganz anderes als im ursprünglichen Entwurf vorgesehen. Wenn das Metall mitspielt, lasse ich aber der künstlerischen Freiheit ihren Lauf und vergesse die Vorlage“, erklärt sie. Und damit ist sie wieder ganz bei sich. Veränderungen zulassen, stets neugierig bleiben, sehen, wohin Entwicklungen führen und sie als Chance begreifen: Das ist ihr wichtig. Im Design, in der Kunst, im Leben.

www.gosia-gallery.com

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Frühjahr 2014.



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Sagen sie mal, Frau Warrink …

… was halten Sie für Ihre größte Stärke? Was für Ihre größte Schwäche?

Ich bin ein sehr kreativer Mensch und habe viele Ideen. Ich bin aber auch sehr – manchmal zu – perfektionistisch, und das bei allem, was ich tue.

… wie würden Sie sich in wenigen Worten charakterisieren?

Neugierig, kreativ, emotional und immer auf der Suche nach Einzigartigem. Ich mag kein Mittelmaß, bin eigenwillig und zielstrebig.

… woraus beziehen Sie Ihre Energie?

Mein Sohn und meine Arbeit geben mir die meiste Kraft. Ich liebe einfach das, was ich mache, und empfinde es als ein wahres Glück, nicht einen Beruf, sondern eine Berufung gefunden zu haben. Auch meine Familie, Yoga und Sonne geben mir Energie.

… was würden Sie mit auf die sprichwörtliche einsame Insel nehmen?

Meinen Sohn, meine geliebte Fotokamera und mein Icoon-Bildwörterbuch, falls es auf der Insel doch Einheimische gibt, mit denen ich kommunizieren kann.

„Viele Werkzeuge sind selbst gemacht. Mein Vater ist Ingenieur und hat mir geholfen, sie zu entwickeln“, erzählt Gosia Warrink.

Mit Zutaten aus der Apotheke, dem Supermarkt oder dem Asia-Laden verleiht Gosia Warrink ihren Objekten eine spezielle Patina.