Fest verschweißt Bei seiner Arbeit als Metallkünstler, experimentiert Herbert Gahr mit so ziemlich allen Mitteln, um aus „der Summe aller Schweißfehler“ Schweißnähte zu erzeugen, die bestimmendes Stilelement seiner Metallskulpturen sind.

Gemeinsam schaffen Stefan, Herbert und Robert Gahr (von links) in ihrer Werkstatt Skulpturen, Möbel, Lichtobjekte — bis hin zu tonnenschweren Plastiken.

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Fest verschweißt

Familie Gahr verbindet eine Leidenschaft: Kunstwerke aus Metall.

Als Herbert Gahr 1975 seine Meisterprüfung als Schweißer ablegt, sind seine Schweißnähte, wie sie sein sollen: haltbar, dicht und möglichst unsichtbar. Heute dagegen, bei seiner Arbeit als Metallkünstler, experimentiert der 59-Jährige aus dem österreichischen Bischofshofen mit so ziemlich allen Mitteln, um aus „der Summe aller Schweißfehler“ Schweißnähte zu erzeugen, die bestimmendes Stilelement seiner einzigartigen Metallskulpturen sind.

Aufbruch

An seinem dreißigsten Geburtstag hängt Herbert Gahr seinen Job als Produktionsleiter einer Metallbaufirma an den Nagel und macht sich als Künstler selbstständig. Ein mutiger Aufbruch: vom Kerzenleuchter für die ehemalige Chefin bis zu seinem bisher größten Auftrag, eine  Großskulptur am Kreisverkehr Krumpendorf, vergehen neunundzwanzig Jahre. Der Bruch ist denn auch heute noch bestimmendes Element in den Arbeiten des als Pionier der Schweißkunst bekannten Bildhauers. „Aufgebrochene Felsen, eine Pflanze oder abgebrochene Baumstämme lassen Bilder im Kopf entstehen, die ich künstlerisch umsetze. Die Natur ist meine größte Inspirationsquelle. Sie bietet alle Formen, Farben und unzählige Kompositionen, und die Kunst, die aus dieser natürlichen Vorlage entsteht, ist immer lebendig“, erzählt Herbert Gahr.

Herbert_Gahr_Schweissflamme

„Die Natur ist meine größte Inspirationsquelle“, sagt Herbert Gahr.

Die Besonderheit seiner Arbeiten, die Schweißnähte, verbinden Brüche im Metall, schließen oder überbrücken sie und betonen sie damit gleichzeitig auf ganz ungewöhnliche Art. „Wir verfremden Parameter wie Stromstärke, Temperatur und Schweißgeschwindigkeit. Wir legen Schweißnähte übereinander, experimentieren mit verschiedenen Gasen und nutzen so ziemlich alle Verfahren — bis hin zum Kaltschweißen. Damit erzielen wir natürlich fließende, fast organisch wirkende Formen und Verwerfungen in durch Oxidation bunt schillernden Anlauffarben — Gemälde aus flüssigem Stahl.“

Das Künstler-Gen

Wenn Herbert Gahr von „wir“ spricht, meint er sich und seine beiden Söhne Robert und Stefan. Denn schon früh ließ sich die ganze Familie von seiner Begeisterung für Schweißkunst anstecken. Robert, der Jüngste, zerschnitt bereits als Sechsjähriger mithilfe eines Brennschneidgeräts sein Kinderfahrrad, baute daraus eine Wandplastik und beschloss, ebenfalls Metallkünstler zu werden. Stefan, sein Bruder, schafft nicht nur elegant-filigrane Skulpturen mit verträumten Namen wie „Die Traumtänzerin“, „2 Seelen“ und „Sehnsucht“, sondern verbindet — wie sein Vater — Worte zu ebenso kraftvollen wie gefühlsbetonten Essays und Gedichten.

Seite an Seite

Gemeinsam schaffen die drei in ihrer Werkstatt fantasievolle Skulpturen, Möbel, Lichtobjekte — bis hin zu tonnenschweren Plastiken. Den Rücken stärkt ihnen Ehefrau und Mutter Barbara, die früher selbst in der Künstlerwerkstatt Hand anlegte und heute froh ist, mit dem „Eisenzeug“ nichts mehr zu tun zu haben. Wird es irgendwann Zeit für den nächsten Bruch? Schließlich ist die Bildhauerei ein harter Job und drei Enkelkinder fordern Aufmerksamkeit. „Ich arbeite dran“, sagt Herbert Gahr lachend.

www.metallART.at

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Frühjahr 2011.



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Linien im Kopf

Manche verschwinden,

manche verdichten sich —

werden vielleicht

einmal konkret,

brechen auf,

treten aus,

werden zu Objekten,

zur Skulptur oder zu Bildern.

Das eine Mal

rauben sie dir den Schlaf,

ein anderes Mal

geben sie dir Kraft …

… Linien im Kopf

Herbert Gahr

Stefan Gahr schafft elegant-filigrane Skulpturen mit verträumten Namen wie „Die Traumtänzerin“,
„2 Seelen“ und „Sehnsucht“.


Robert Gahr zerschnitt bereits als Sechsjähriger mithilfe eines Brennschneidgeräts sein Kinderfahrrad, baute daraus eine Wandplastik und beschloss, Metallkünstler zu werden.