Lohnfertiger oder Logistikunternehmer? Heute muss man beides sein, findet Wilhelm Kuipers.

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„Keine Ausreden“

Als Lohnfertiger muss Wilhelm Kuipers Qualität liefern – und das nicht nur bei den Teilen, sondern auch beim komplexen Service rund um Lager und Logistik.


Herr Kuipers, Sie sind Lohnfertiger. Ihr Firmengelände ähnelt aber eher dem eines Logistikdienstleisters…

Die Logistik hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wir müssen uns immer mehr den individuellen Wünschen stellen, wie und wann der Kunde etwas gerne geliefert hätte — das fängt bei der Just-in-time-Lieferung an. Einige unserer Kunden arbeiten mit einem Kanban-System. Vereinfacht gesagt heißt das: Sie rufen ihre Materialien erst dann ab, wenn sie in der Fertigung benötigt werden. Damit reduzieren unsere Kunden ihre Bestände, stattdessen lagern sie die Aufgabe der Lagerhaltung an uns aus. Wir fungieren also nicht mehr nur als Lohnfertiger, sondern stellen auch Konsignationslager bereit. Daher müssen wir jederzeit wissen, wo welche Teile gerade liegen.

Das heißt, Sie übernehmen mehr und umfangreichere Aufgaben?

Ja, schauen Sie sich beispielsweise diesen Palettenschein an, den wir entwickelt haben. Darauf sind 42 unterschiedliche Paletten und Lagerbehälter abgebildet. So sehen die gängigen Lagerhilfsmittel aus, die wir hier im Einsatz haben. Jeder Kunde hat eigene Systeme, die wir alle vorhalten und managen müssen. Eine mangelhafte Leergutverwaltung kann über das Jahr zu hohen finanziellen Einbußen führen. Und für jedes System gibt es Vorschriften vom Kunden, wie es bepackt werden muss — beim einen dürfen nicht mehr als 30 Kilogramm auf die Palette, beim anderen darf kein Teil überstehen. Die Komplexität hierbei nimmt immer mehr zu. Das ist ohne eine leistungsfähige Software nicht mehr zu bewältigen.

Ohne eine leistungsfähige Software sind die komplexen Lieferanforderungen nicht mehr zu bewältigen.

Was bedeutet das auf der anderen Seite für Ihre Fertigung?

Auch hier sind die Anforderungen an eine funktionierende interne Logistik gestiegen, effiziente Prozesse sind gefragt. Denn wir haben einerseits Bleche, die wir für die Fertigung der Kundenaufträge vorhalten müssen. Ein sehr großer Schritt war hier unser automatisiertes Regalsystem, das Platz für 4.500 Tonnen Bleche bietet. Damit haben wir schnellen Zugriff auf eine große Anzahl unterschiedlicher Bleche und können so auf die kürzer werdenden Vorlaufzeiten reagieren. Andererseits lagern wir immer mehr Fertigteile für den Kunden bei uns ein. Entsprechende Lagerflächen sind in unserem Betrieb überproportional gewachsen. 2005 arbeiteten 56 Mitarbeiter auf einer Produktionsfläche von 5.300 Quadratmetern. Heute sind es 260 Mitarbeiter und die Produktions- und Lagerflächen umfassen 17.800 Quadratmeter.

Effizienz ist also ein Thema?

Absolut, ja. Das sieht man auch daran, dass wir jetzt schon zwei TRUMPF Schneidanlagen mit Festkörperlaser im Einsatz haben, mit denen wir Dünnbleche, vor allem aber auch Aluminium oder Kupfer besonders effizient schneiden können. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir immer schauen, wie wir Verschwendung reduzieren und Reserven nutzen können. Gerade bei großen Stückzahlen liegen die auch in der Automatisierung. Wir sind bei diesem Thema auf einem guten Weg, können hier aber für die Zukunft noch einiges tun. Zum Beispiel bei den vor- und nachgelagerten Prozessen wie der automatischen Be- und Entladung der Maschinen. Weiteres Potenzial sehe ich beim Kanten. Für diese anspruchsvolle Arbeit wird es immer schwieriger, gute Leute zu finden. Zudem erkenne ich einen klaren Trend zum automatisierten Schweißen. Insbesondere das Laserschweißen erfordert hochpräzise Maschinen, um die benötigten Spaltmaße einhalten zu können. Da werden wir um Automatisierung nicht herumkommen.

Was ist jenseits von automatisierten Maschinen wichtig?

Eigentlich sind es nur wenige Punkte, auf die es wirklich ankommt: hohe Qualität der Produkte, pünktliche Lieferung, freundlicher Umgang mit Kunden und Mitarbeitern, guter Service, Erfahrung und Kompetenz in Kombination mit Hochtechnologie und die Flexibilität der Mitarbeiter. Letztendlich muss man immer wieder schauen, wo Flaschenhälse in den betrieblichen Prozessen sind und wie man gewährleisten kann, dass der Kunde dennoch pünktlich beliefert wird. Ausreden interessieren da nicht. Wir haben verschiedene Flexibilisierungsbausteine entwickelt, mit denen wir beweglicher sind als manch anderer Marktbegleiter. Das geht dann auch über die klassischen Aufgaben eines Lohnfertigers hinaus.

Kuipers investiert kontinuierlich in Maschinen, in die Ausbildung der Mitarbeiter und in die Nachwuchsförderung.

Wie reagieren Ihre Mitarbeiter auf diese neuen Anforderungen?

Wichtig ist es, den Mitarbeitern zu vermitteln, warum die Änderungen erforderlich sind. Es geht nicht um zusätzliche Lasten und Bürden, es geht um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in einer sich schnell ändernden Welt. Die Menschen in unserer Region sind Neuerungen gegenüber aufgeschlossen, sonst hätte sich das Emsland nicht so erfolgreich entwickelt. Kuipers hat — abgesehen von der Zeit der Finanzkrise — kontinuierlich investiert, in Maschinen, in die Ausbildung der Mitarbeiter und in die Nachwuchsförderung.

Wie würden Sie Ihre Erfolgsfaktoren zusammenfassen?

Zunächst muss man bei sich selbst und auch bei den Mitarbeitern die Messlatte bei der Verfolgung seiner Ziele realistisch legen. Dann ist eine kontinuierliche Weiterbildung natürlich ein Muss. Außerdem brauche ich Maschinen, die technologisch auf dem neuesten Stand sind, mit einer leistungsfähigen Software, die die betrieblichen Prozesse gut abbildet. Ganz wichtig für einen Lohnfertiger ist aber der ständige Kontakt mit dem Kunden, um seine Wünsche zu kennen. Er muss zumindest dauerhaft zufrieden gestellt werden, besser noch: Wir müssen den Kunden begeistern.

 

Sie haben Fragen?

Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

 Dieser Artikel erschien erstmals im Frühjahr 2012.



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Präzision auf allen Ebenen

Wer:

KUIPERS CNC-Blechtechnik GmbH & Co KG, Meppen. Gegründet 1990, 260 Mitarbeiter. www.kuipers-metall.com

Was:

Lohnfertiger für die gesamte Prozesskette Blech – von der Beratung über die Fertigung bis zur Lagerhaltung und Auslieferung. Vom Prototypen bis zu Großserien, Blechdicken von 0,5 bis 20 Millimetern, aus Stahl, Edelstahl und Aluminium

Womit:

28 TRUMPF Maschinen: 2-D-Laser-
schneidmaschinen, Stanz-Laser-Kombimaschinen, Stanzmaschinen und Biegemaschinen (2 x mit BendMaster). Zu den neuesten Investitionen gehören zwei TruLaser Maschinen mit Festkörperlaser und eine TruMatic 7000 FMC

Als Lohnfertiger muss sich Kuipers immer mehr den individuellen Wünschen stellen, wie und wann der Kunde etwas gerne geliefert hätte — das fängt bei der Just-in-time-Lieferung an.


Mit zwei TRUMPF Schneidanlagen mit Festkörperlaser schneidet Kuipers Dünnbleche, Aluminium und Kupfer besonders effizient.


Effiziente Prozesse sind gefragt: Mit einem automatisierten Regalsystem kann Kuipers schnell auf die kürzer werdenden Vorlaufzeiten reagieren.


Potenzial für Automatisierung sieht Kuipers beim Kanten. Für diese anspruchsvolle Arbeit wird es immer schwieriger, gute Leute zu finden.


Die hohe Qualität der Produkte ist für Kuipers wichtig.

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