Raumgestalterin Wer Spaß an der Arbeit hat, macht seinen Job besser, findet Martina Kammann und schafft bei KMH täglich die Basis dafür.

„Natürlich müssen wir Geld verdienen, aber das Menschliche soll nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Martina Kammann.

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Raumgestalterin

Martina Kammann geht gerne zur Arbeit und möchte, dass ihre Mitarbeiter das auch tun. Wie das funktioniert? Mit flachen Hierarchien und ganz viel Raum für Ideen.

Spaß an einer Sache zu haben, ist Martina Kammann wichtig – auch während der Arbeitszeit. „Wir verbringen viel Zeit hier im Unternehmen, da sollten wir unsere Arbeit auch mit Freude tun“, betont sie. Klingt gut und gleichzeitig vielleicht etwas ungewöhnlich aus dem Mund einer Geschäftsführerin. Das ist sie seit mittlerweile 15 Jahren bei der KMH-Kammann Metallbau GmbH in Bassum, 25 Kilometer südlich von Bremen.

Ihre Eltern gründeten das Unternehmen 1986 und starteten mit der Fertigung von Rohren, Rohrformteilen und Verteilersystemen für Schüttgüter. „Für meinen Vater war das gute Miteinander zwischen Kollegen und Geschäftsführung ganz wesentlich“, erzählt Kammann. Diese Werte kommen bis heute in den flachen Hierarchien und dem kollegialen Miteinander bei KMH zum Ausdruck. „Natürlich müssen wir Geld verdienen, aber das Menschliche soll nicht auf der Strecke bleiben.“ So einfach bringt Kammann ihr wichtigstes Anliegen auf den Punkt.

Mehr Freiheit, mehr Verantwortung

Sie selbst bleibt lieber im Hintergrund, als auffällig vorne zu stehen. „Ich finde, wenn man als Führungskraft auch mal entbehrlich ist, hat man seine Arbeit gut gemacht.“ Ihren 140 Mitarbeitern lässt sie gerne Raum für eigene Ideen und Kreativität. Mehr vielleicht als andere Unternehmen. „In vielen Bereichen gibt es eine relativ große Entscheidungsfreiheit. Damit ist die Verantwortung der einzelnen Kollegen aber natürlich auch deutlich höher“, betont Kammann. Leute zu finden, die bereit sind, ihre Ideen einzubringen und mitzugestalten, sei nicht einfach, ergänzt sie. „Aber glücklicherweise haben wir viele engagierte Menschen bei uns im Betrieb.“

KMH-Rohre-Schleifen-Schweissen

Ihren 140 Mitarbeitern lässt Martina Kammann gerne Raum für eigene Ideen und Kreativität.

Rohre nach Maß

Die Rohre und Systeme von KMH findet man überall dort, wo Staub abgesaugt oder Produkte mit leichtem Druck gefördert werden — quer durch alle Branchen: die Futter- und Nahrungsmittelindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie, den Mühlen- und Anlagenbau sowie die Lüftungs- und Umwelttechnik oder die Halbleiterindustrie. Und das nicht nur in Deutschland. KMH liefert etwa 40 Prozent der gefertigten Teile ins Ausland — vor allem nach Europa.

Aus 20.000 verschiedenen Standardprodukten können die Kunden bei KMH wählen. Ist das passende Teil nicht dabei, stellt das Unternehmen es her: Etwa 20 Prozent der Teile sind Sonderanfertigungen. „Maßgeschneiderte Elemente sind sehr wichtig, da wir dadurch kundengerechte Lösungen anbieten können“, erklärt Kammann. Viele Anlagen seien komplex, da reiche der Standard nicht immer: „Wenn wir individuelle Teile dann genauso schnell, flexibel und in derselben Qualität liefern können, verschafft uns das einen Wettbewerbsvorteil.“

KMH-Rohre-Lager

Aus 20.000 verschiedenen Standardprodukten können die Kunden bei KMH wählen.

Prozesse neu gestaltet

Damit das gelingt, investiert sie stetig in neue Maschinen und Anlagen. 2009 erfolgte die bisher größte Investition: ein kompletter Neubau. „Das war für uns ein wichtiger Schritt, der uns ermöglichte, unsere Abläufe zu optimieren und mit klaren Prozessen die Effektivität zu erhöhen“, sagt die Geschäftsführerin. In den alten Hallen musste sich die Fertigung an die räumlichen Gegebenheiten anpassen, heute ist alles an die Anforderungen der Produktion angepasst. Auch Sonderteile liefert das Team nun in ein bis zwei Tagen aus. Zu den reibungslosen Abläufen trägt ein Stopa-Hochregallager bei, das die Bleche für die TruLaser 5030 und TruLaser 3030 bereithält. Auf den Lasermaschinen werden die Teile zuerst geschnitten, dann über Rohrwalzen gebogen und schließlich verschweißt.

Bei der Wahl der Maschinen spielt Präzision eine wichtige Rolle. Damit die Schweißnähte später zuverlässig halten, müssen die Kanten exakt und sauber aufeinanderpassen und die Toleranzen eingehalten werden. Mit der Option RotoLas an der TruLaser 3030 schneidet KMH präzise Ausschnitte außerdem direkt aus Fertigrohren. So sitzen Gabelstücke und Übergänge später passgenau. „Bei der Firmengründung haben wir die Teile mit Plasmageräten zugeschnitten“, sagt Kammann und lacht. „Das wäre heute undenkbar.“

Präzises Handwerk

Das Bassumer Unternehmen verarbeitet vorwiegend Normalstahl und verschiedene Edelstähle mit einem bis vier Millimeter Dicke. Dabei erfolgen viele Arbeitsschritte von Hand. „Wir sind zum großen Teil immer noch ein Handwerksbetrieb“, sagt Kammann. „Es gibt viele Dinge, die bereits maschinell laufen, etliche Arbeitsgänge erledigen wir aber nach wie vor manuell.“ Das liegt vor allem an den vielen unterschiedlichen Geometrien, die das Unternehmen fertigt. Sie machen eine Automatisierung schwierig. „Auf den Menschen, der eingreift, können wir mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren nicht verzichten“, ist sich Kammann sicher.

Dass sie heute so tief in der Technik steckt, hätte die Betriebswirtin Martina Kammann am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn nicht gedacht. Auf die Frage, ob für sie schon immer klar gewesen sei, dass sie später das elterliche Unternehmen weiterführen würde, antwortet sie entschieden: „Ganz und gar nicht!“ Als ihre Eltern sie nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau fragten, ob sie als kaufmännische Angestellte bei KMH anfangen wolle, war sie erst skeptisch, sagte dann aber doch zu. Bereut hat sie es bis heute nicht. Auch wenn der Start nicht ganz einfach war. „Ich habe nach kurzer Zeit angefangen, im Einkauf zu arbeiten. Zu dem Zeitpunkt gab es noch viele ältere Herren im Außendienst, die sehr skeptisch darauf reagierten, dass da eine junge Frau saß — zumal noch ohne technische Erfahrung“, erinnert sich Kammann. „Da gab es schon einschlägige Kommentare.“ Heute kann sie darüber schmunzeln.

Männlich? Weiblich? Menschlich!

Ob sie anders führt als Männer? Martina Kammann zuckt die Schultern. „Ich glaube, die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften sind gar nicht so groß. Vielleicht agieren wir Frauen etwas intuitiver und einfühlsamer.“ Skepsis ihr als Geschäftsführerin gegenüber hat sie in den vergangenen Jahren kaum noch erlebt. Sie ist hineingewachsen in ihre Rolle, die Branche und die Technik. „Und langweilig wird der Industriebereich nun wirklich nicht“, sagt sie und lacht.

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Frühjahr 2014.



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Eine runde Sache

Wer:

KMH-Kammann Metallbau GmbH, Bassum. Gegründet 1986, 140 Mitarbeiter. www.kmh.net

Was:

Das Unternehmen liefert spannring- und flanschverbundene Rohre, Komponenten und Systeme für Aspiration und Schüttgüter aller Art an Kunden weltweit

Womit:

TruLaser 5030, TruLaser 3030 mit RotoLas, TrumaBend V170, Stopa-Hochregallager

Bei der Wahl der Maschinen spielt Präzision für Martina Kammann eine wichtige Rolle.


Die TruLaser 5030 sorgt für Kanten, die exakt und sauber aufeinanderpassen, damit die Schweißnähte später zuverlässig halten.


Mit der Option RotoLas an der TruLaser 3030 schneidet KMH präzise Ausschnitte außerdem direkt aus Fertigrohren.


„Es gibt viele Dinge, die maschinell laufen, etliche Arbeitsgänge erledigen wir aber nach wie vor manuell“, sagt Martina Kammann.


Bei den TruLaser Maschinen setzt Martina Kammann auf Automatisierung.


Etwa 20 Prozent der von KMH hergestellten Teile sind Sonderanfertigungen.


KMH liefert etwa 40 Prozent der gefertigten Teile ins Ausland — vor allem nach Europa.

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