Raumkünstler Nils Clausen verwandelt Überseecontainer in außergewöhnliche Hingucker für Messen und Events.

„Normaler Messebau interessiert mich nicht — bei meinen Containerbauten steht aus Alt mach Neu im Fokus“, sagt Nils Clausen.

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Raumkünstler

Im Winter restauriert Nils Clausen in seiner Bootsmanufaktur klassische Wasserfahrzeuge. Im Sommer haucht er Überseecontainern neues Leben ein.

Anfang April verlassen die letzten Boote die Bootsmanufaktur im Berliner Stadtteil Oberschöneweide. Jetzt sind die stilvollen Schönheiten auf den Gewässern in und um Berlin zu bewundern. Über den Winter haben Nils Clausen und sein Expertenteam die klassischen und historischen Motorboote und -yachten in liebevoller Handarbeit restauriert und auf Hochglanz gebracht.

Lange bleibt die 200.000 Quadratmeter große Halle der Bootsmanufaktur aber nicht leer. Schon Mitte April werden die ersten zwölf Meter langen Überseecontainer angeliefert. Sie kommen aus Hamburg, Rotterdam oder Stettin. Mit den eleganten Wasserfahrzeugen, die vor ihnen die Halle belegten, haben sie eines gemeinsam: Nils Clausen und seine Spezialisten verwandeln die eckigen Stahlkolosse in außergewöhnliche Hingucker für Messen und Events.

Aus Alt mach Neu

Als ihn ein befreundeter Architekt und ehemaliger Studienkollege fragt, ob er in seiner Halle mehrere Transportcontainer gleichzeitig bearbeiten könne, ist Nils Clausen gleich Feuer und Flamme. „Nachhaltigkeit ist mir wichtig“, erklärt der Gründer der Bootsmanufaktur. In einer schnelllebigen Zeit etwas Beständiges und Werthaltiges zu schaffen, ist sein Leitmotiv. Und warum sollte das nur für Boote gelten? Die Infrastruktur ist vorhanden. Mit einem Kran, großen Gabelstaplern und Hubsystemen lassen sich nicht nur Boote, sondern auch Seefrachtcontainer bewegen. Für Clausen, der selbst Architektur studiert hatte, bevor er seine Leidenschaft für Wasserfahrzeuge zum Beruf machte, ist die Idee der Containerarchitektur eine reizvolle Herausforderung.

Und so entsteht im Jahr 2010 das erste Projekt: Eine aus 14 Containern zusammengefügte multifunktionale Bürokonstruktion für die Bread-&-Butter-Fashion-Messe in Berlin wird zum ungewöhnlichen und stylischen Blickfang. „Normaler Messebau interessiert mich nicht. Neues Material zu kaufen und für drei Tage eine Konstruktion aufzustellen, die dann wieder abgebaut und entsorgt wird, finde ich nicht nachhaltig“, erklärt Clausen, der in Kiel geboren wurde und im holländischen Leiden aufwuchs. Für ihn sind alte und schöne Boote kulturelles Erbe des Wassersports, das es zu pflegen und zu erhalten gilt. Das Bewahren und den Aus-Alt-mach-Neu-Gedanken stellt er auch bei seinem zweiten Standbein in den Fokus.

Stilvoller Umweltschutz

„Gebäude komplett aus ausrangierten Containern zu gestalten, ist keine neue Idee“, erzählt Clausen. Ob in London, Seoul, Christchurch oder Amsterdam: Containerarchitektur ist hipp, modern und schont die Umwelt. Die Bootsmanufaktur gestaltet Container individuell nach Kundenwunsch. Elektrische Leitungen, sanitäre Anlagen, Klimatisierung und stilvolle Innenausstattung — alles ist möglich. Die Fachleute hat Clausen an der Hand. „Im Prinzip sind die Arbeiten an Booten und Containern ähnlich, nur dass bei Booten alles rund und bei Containern alles eckig ist“, erklärt er.

Neben „kurzlebigen“ Konstruktionen für Events und Messen, die immer wieder umgestaltet und für verschiedene Einsätze verwendet werden, haben Clausen und sein Team auch schon langfristige Projekte wie die Platoon Kunsthalle in Berlin umgesetzt. 34 übereinandergestapelte Überseecontainer dienen der künstlerischen Subkultur für zwei Jahre als neue Heimat. „Es ist schön zu sehen, wie aus einem eher unansehnlichen Gebrauchsgegenstand innerhalb kurzer Zeit ein Objekt wird, das sowohl en vogue als auch nachhaltig ist“, sagt Nils Clausen. Es ist eben wie bei den Booten: Stilvolles Design und hochwertige Verarbeitung wird niemals zum Wegwerfprodukt.

www.containermanufaktur.com

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Sommer 2013.



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Sagen Sie mal, Herr Clausen …

… was halten Sie für Ihre größte Stärke? Was für Ihre größte Schwäche?

Ich erkenne Nischen, gehe offen auf Menschen zu und bin gut im Improvisieren und Verkaufen. Meine Schwächen? Ich bin sprunghaft und konfliktscheu.

… wie würden Sie sich in wenigen Worten charakterisieren?

Ich bin neugierig, gehe Dinge ohne Angst an und bin offen für alles. Ich habe Spaß am Leben und den Willen, Dinge selber zu gestalten.

… woraus beziehen Sie Ihre Energie?

Das Leben ist schön und kann jederzeit zu Ende sein. Jeden Tag etwas zu schaffen, ist darum ein sehr befriedigendes Gefühl, das mir Kraft gibt.

… was würden Sie mit auf die sprichwörtliche einsame Insel nehmen?

Genug zu trinken und meine Frau.

Containerarchitektur ist hipp, modern und schont gleichzeitig die Umwelt.


Je nach Jahreszeit arbeitet Nils Clausen an hübschen Booten oder an wuchtigen Überseecontainern.


Mit einem Kran, großen Gabelstaplern und Hubsystemen lassen sich nicht nur Boote, sondern auch Seefrachtcontainer bewegen.