Schnelles Raumwunder Goma produziert viel, hat aber wenig Platz. Der LiftMaster Compact macht aus dem Dilemma einen Vorteil.

Bei Jan Oortgiesen muss es schnell gehen. Seine TruLaser 3030 ist darum über einen LiftMaster Compact an ein Stopa-Lager angebunden.

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Schnelles Raumwunder

Goma hat wenig Platz für viel Blech, darum musste eine Automatisierungslösung her, die schnell arbeitet und mit wenig Raum auskommt.

Der kleine Roboter ist schwer beschäftigt: Zwischen zwei Abkantbänken platziert, hält er einen rund zwei Meter langen Blechstreifen zuerst in die eine Presse, schwenkt das gekantete Blech über den Kopf und legt es dann in die zweite Biegemaschine ein. Der Roboter setzt das Blech in verschiedenen Positionen an, mit mehreren Hüben der Abkantpresse entsteht so ein kompliziertes Profil, das später für die zuverlässige Abdichtung einer Kühlschranktür sorgt. An den Enden der Haltevorrichtung sind Gewichte befestigt, sie dämpfen Schwingungen, die durch die schnellen Bewegungen entstehen. Sieht ein wenig improvisiert aus, funktioniert aber. Und ist typisch für Goma: Die Experten des Unternehmens bauen, wenn nötig, ihre Fertigungsanlagen selbst, suchen sich die passenden Komponenten bei verschiedenen Herstellern zusammen und kombinieren sie zu einem System, das genau ihren Anforderungen entspricht.

Vom Prototyp bis zur Großserie

Die Automatisierung seiner Fertigung richtet Jan Oortgiesen, einer der beiden Inhaber des im niederländischen Hengelo ansässigen Unternehmens, am aktuellen Trend aus: „Die Losgrößen werden immer kleiner. Typisch sind bei uns Aufträge mit 25 bis 300 Stück.“ Dabei wiederholen sich allerdings viele Jobs, sodass sich Automatisierung lohnt. Insgesamt acht Roboter verrichten bei Goma ihre Arbeit. „Schon 1998 haben wir unseren ersten Pick-and-Place-Roboter in Kombination mit einer Abkantpresse erworben“, so Oortgiesen. Zudem ist die Fertigung mit diversen CNC-Laser- und Stanzmaschinen automatisiert. 1982 zog die erste TRUMPF Stanzmaschine bei Goma ein, fünf Jahre später folgte dann eine TRUMATIC 180 LW Stanz-Laser-Maschine.

Hochwertige Blechteile

Für große Serien stellen die Metallexperten auch entsprechende Werkzeuge für die hauseigenen Stanzautomaten her — schließlich hatte Goma 1962 als Werkzeugbauer angefangen. „Wir können damit bei neuen Produkten für einen Kunden erst einmal Prototypen und Kleinserien auf den Maschinen fertigen. Wenn die Losgrößen steigen, wechseln wir zur Fertigung vom Coil“, so Goma-Geschäftsführer Foppe Atema. Das Unternehmen hat er über die Jahre zu einem Zulieferer von hochwertigen Blechteilen ausgebaut. Schwerpunkt ist die Fertigung von Gehäusen und Verkleidungen für die unterschiedlichsten Märkte — angefangen beim nur wenige Zentimeter messenden Kleingehäuse für die Medizintechnik bis hin zu metergroßen Verkleidungen für Schalttafeln im Hochbau.

Wenig Platz für viel Blech

Dreh- und Angelpunkt der Fertigung ist das vollautomatische Blechlager von Stopa — 1996 installiert, war es das erste in den Niederlanden. Es bietet rund 400 Plätze für Stahl-, Aluminium- und Edelstahlbleche. An zwölf Stellen sind Laserschneidanlagen, Abkantpressen, Stanzmaschinen und Tafelscheren angeschlossen — teils mit Handentnahme, teils vollautomatisch. Ein unabhängiges Lagerverwaltungssystem steuert das Lager und die angebundenen Werkzeugmaschinen.

Zum Beladen der ersten TruLaser 3030 hatten die Fertigungsprofis von Goma anfangs eine eigene Handling-Einheit gebaut. „Das Entladen der Maschine erfolgte aber noch von Hand“, so Oortgiesen. Das änderte sich, als die Anlage zehn Jahre später durch eine neue TruLaser 3030 ersetzt wurde: „Die Laserschneidanlage macht uns sehr flexibel. Wir können, ohne ein Werkzeug bauen zu müssen, sofort unterschiedlichste Bleche verarbeiten“, begründet er seine Wahl.

Kompakte Automatisierung

Wichtigster Grund für die Investition war allerdings die Automatisierungseinheit zum Be- und Entladen der Bleche — der LiftMaster Compact: „Wir haben wenig Platz in der Halle, daher waren die kompakten Abmessungen wesentlich für uns. Kein anderer Anbieter hatte eine ähnlich kompakte Lösung anzubieten“, sagt Oortgiesen. Absaugung, Steuerung und Kühlung der Laserschneidanlage wurden auf einem Podest über der TruLaser angeordnet, das spart noch mehr Platz. „Die jetzige Lösung benötigt im Vergleich zu unserer alten Anlage nur die Hälfte der Fläche.“

Aber nicht nur die kompakten Abmessungen sprechen für den neuen LiftMaster Compact — auch die Geschwindigkeit. Denn er be- und entlädt gleichzeitig: Ein Rechenrahmen entnimmt die geschnittenen Teile, während ein mit Saugern ausgerüsteter Verfahrtisch das neue Blech aus dem Lagerausgang holt und es zum Palettenwechsler transportiert. Beim Positionieren des neuen Blechs legt der Rechenrahmen synchron die bearbeitete Platine auf der Oberseite des Saugerrahmens ab, der sie dann wieder in das Lager fährt.

Schneller Blechwechsel

Rund 90 Prozent der auf den angeschlossenen Stanzen und Laserschneidanlagen gefertigten Teile werden im Stopa-Lager zwischengelagert, bevor die nächsten Weiter verarbeitungsschritte folgen. Die für das Be- und Entladen benötigte Zeit fällt darum besonders ins Gewicht. „Mit dem LiftMaster Compact konnten wir sie auf 65 Sekunden reduzieren — bei unserer ‚hausgemachten‘ Lösung waren noch über zwei Minuten allein für das Beladen nötig“, betont Oortgiesen. „Der schnelle Blechwechsel ist wichtig, sonst müsste die TruLaser 3030 auf den Be- und Entladeprozess warten.“

Mannlose Fertigung als Ziel

Die Installation stellte die Tüftler zunächst allerdings vor größere Herausforderungen. Denn der LiftMaster Compact war der erste, der an ein Stopa-Universallager angeschlossen wurde. Schnell zeigte sich, dass der Tisch des LiftMaster Compact nicht zwischen die Regalstützen des Stopa-Lagers passt. Die Lösung: Die Stopa-Techniker montierten eine Quertraverse oberhalb des LiftMaster-Rahmens auf zwei neue Stützen mit erweitertem Abstand. Auf den Träger platzierten sie dann Stützen mit regulärem Abstand, sodass das Regal normal weitergeführt werden konnte.

Mit der neuen TruLaser 3030 und ihrer vollautomatischen Be- und Entladeeinheit ist jetzt die dritte an das Lager angeschlossene Station in der Lage, mannlos zu arbeiten — letztendlich das Ziel von Jan Oortgiesen: „Maschinen sind teuer — wenn es geht, müssen sie 168 Stunden die Woche laufen.“ Da Goma derzeit nur in zwei Schichten arbeitet, müssten die Maschinen in der dritten Schicht also ohne Personal auskommen. „Das klappt aber nicht immer“, gibt Oortgiesen zu. Denn beim mannlosen Betrieb muss jede Einstellung an den Maschinen stimmen, wenn der letzte Mitarbeiter in den Feierabend geht. „Passt das nicht, funktioniert auch die mannlose Fertigung nicht.“

Rund um die Uhr

Doch Goma ist auf dem Weg — unkomplizierte Serien mit größeren Stückzahlen laufen bereits in der dritten Schicht, ohne dass ein Mitarbeiter vor Ort ist. Entsprechend kommen neue Maschinen bei Goma nur in die Werkshallen, wenn sie vollautomatisch und rund um die Uhr arbeiten können. Oortgiesen denkt schon an eine Erweiterung der Fertigung. Die Hallen sollen noch einmal um 1.500 Quadratmeter ergänzt, das automatische Blechlager erweitert und neue Stanz- und Laserschneidmaschinen angeschlossen werden. „Man ist nie fertig mit der Automatisierung — das geht immer weiter“, sagt er.

 

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Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2011.



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Vom Blechteil bis zur Baugruppe

Wer:

Goma B.V., Hengelo (GLD), Niederlande. Gegründet 1962, 100 Mitarbeiter. www.goma.nl

Was:

Hochwertige Blechteile, Gehäuse und Verkleidungen als Halbfertigteile oder montiertes Produkt unter anderem für die Elektronikindustrie und Medizintechnik

Womit:

TruLaser 3030 mit LiftMaster Compact, TruPunch 5000, TRUMATIC 500, TRUMATIC 260 Rotation

Automatisierte und flexible Maschinen sind den Geschäftsführern bei Goma besonders wichtig.


Hochwertige Blechteile, Halbfertigteile oder montierte Produkte fertigt Goma im niederländischen Hengelo mit 100 Mitarbeitern.


Schwerpunkt ist die Fertigung von Gehäusen und Verkleidungen für die unterschiedlichsten Märkte.


Für große Serien stellen die Metallexperten auch entsprechende Werkzeuge für die hauseigenen Stanzautomaten her.

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