Starker Antritt Rasante Produkte, moderne Antriebe: Hot Chili hat sich als Tüftlerbetrieb mit Weitblick etabliert.

Durch die Hot-Chili-Räder verbindet Markus Hermann Hobby und Beruf — und schafft sich ein zweites Standbein.

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Starker Antritt

Markus Hermann macht mobil — am liebsten auf zwei Rädern. Für den zukunftsfähigen Antrieb sorgt er ebenfalls.

Das Hobby zum Beruf gemacht, was liegt näher? Ganz so einfach begründet Markus Hermann seine Entscheidung, Downhill-Mountainbikes zu entwickeln und zu fertigen, aber nicht: „Ursprünglich waren wir als reiner Zulieferer tätig, doch mit einem klassischen Blechteil kann man heute kein Geld mehr verdienen. Das bekommt man an jeder Ecke“, sagt der Geschäftsführer der Alfred Hermann GmbH & Co. im schwäbischen Schorndorf. „Darum suchen wir nach Produkten, in denen mehr Wertschöpfung steckt.“

Denn selbst im Prototypenbereich für die Automobilindustrie, auf den sich das Familienunternehmen spezialisiert hat, kämen immer mehr Teile aus Asien, berichtet Hermann. Gemeinsam mit seinem Vater Bernd Hermann leitet er den Betrieb mit fünfzehn Mitarbeitern. Seit 1993 ist er außerdem Geschäftsführer der eigens für das Radgeschäft gegründeten Hot Chili GmbH. Die Übergänge sind fließend: Das fünfköpfige Team der „Radverrückten“ ist im selben Gebäude untergebracht wie die Hermann Blechtechnik, nutzt die gleichen Maschinen und übernimmt Aufgaben in der Fertigung.

Völlig neuer Kundenkreis

Während es in der Blechtechnik klassisch zugeht, ist bei Hot Chili Farbe geboten: In knalligem Gelb und Rot leuchten die Rahmen der Mountainbikes. Das Kreativteam entwickelt sie, gefertigt werden sie aus Aluminiumrohren in unterschiedlichen Stärken. Beim Downhill-Fahren kommt es vor allem auf eine hohe Stabilität an: „Die Federgabeln gleichen eher Motorradgabeln. Unsere Räder wiegen schon mal 25 Kilo“, sagt Hermann. „Die Fahrer springen bis zu 20 Meter weit und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern.“

Hermann-Hot-Chili-Radrahmen

Beim Downhill-Fahren kommt es vor allem auf eine hohe Stabilität an. Die Räder von Hot Chili wiegen bis zu 25 Kilo.

Mit einem eigenen Rennteam konnte Hot Chili vor einigen Jahren einen Junior-Weltmeister und Welt-Cup-Sieger feiern. Aufmerksamkeit ist den Rädern also gewiss — das zeigen auch die Anfragen. „Wir konnten uns einen völlig neuen Kundenkreis erschließen“, berichtet Hermann. „Erfinder, Entwickler und Großfirmen haben gesehen, dass wir uns mit Mobilität auskennen und dass wir im Engineering, der Konstruktion und der Fertigung stark sind.“ Dadurch ist auch der Streetstepper entstanden: eine Art Fitnessgerät auf Rädern, mit dem man sich quasi laufenderweise fahrend fortbewegt. Basis waren zwei Prototypen aus Holz und Stahl, die Hot Chili mit einem externen Entwicklerteam weiter optimierte.

Dass der Weg von einer guten Idee zu einem erfolgreichen Produkt lang sein kann, weiß Hermann: „Die Idee macht gerade mal ein Prozent aus, dann kommt die Entwicklung mit etwa 20 Prozent. Mit der Serienreife sind 50 Prozent geschafft, dann geht es aber erst mit Vertrieb und Vermarktung los, und das ist sehr zeit- und kostenintensiv.“

Antrieb mit Zukunft

Das Projekt Elmoto zeigt, dass es sich dennoch lohnt, neuen Ideen nachzugehen. Denn Mobilität gibt es bei Hot Chili auch mit Antrieb — und zwar mit Elektromotor. Für den Energiekonzern EnBW konzipierten Hermann und sein Team gemeinsam mit den Designern von ID-Bike in Stuttgart ein Zweirad mit Elektromotor. „Es war richtig, völlig neu und elektrospezifisch an das Thema heranzugehen“, sagt Hermann im Rückblick.

Dazu gehört für ihn, dass er sich nicht nur mit der Konstruktion des Alurahmens, der Schwinge und der Sitzbank beschäftigt, sondern sich auch mit dem Antriebskonzept auseinandersetzt. Denn das bringt völlig neue Herausforderungen mit sich: „Die Batteriegehäuse müssen extrem crashstabil und absolut dicht sein“, erläutert er. Auf einer TruMatic 6000 Kombimaschine schneidet er die Teile, mit einer TruBend 7036 bringt er sie in Form. „Mit der Kombimaschine können wir in einem Arbeitsgang auf der Platine bereits komplexe Umformungen und Prägungen umsetzen, das ist ein großer Vorteil.“

Damit alle Nähte auch wirklich dicht sind, werden sie bei einem Partnerunternehmen mit dem Laser pulvergeschweißt. „Durch das Schweißen mit Roboter konnten wir die Blechdicke von 1,5 auf 0,8 Millimeter reduzieren“, sagt Hermann. Das spart Material und Gewicht. Ein Blick auf Stuttgarts Straßen zeigt, dass Elmoto ankommt. Dort sind 500 der umweltfreundlichen Elektroräder unterwegs. „Die Elektromobilität steckt noch in den Kinderschuhen, aber sie wird kommen“, ist Hermann überzeugt.

Gesunder Mix

Über aktuelle Entwicklungen bei neuen Antriebskonzepten ist er bestens informiert, denn auch bei der Hermann Blechtechnik drehen sich viele Aufträge um dieses Thema: Stromschienen aus massivem Kupfer für Stromwandler machen derzeit einen großen Auftragsanteil aus. Komponenten für Brennstoffzellen fertigt das Unternehmen bereits seit 15 Jahren. Das 15-köpfige Team in der Blechtechnik produziert aber auch Bandsysteme für Anlagen zur Blutanalyse — komplett mit Elektronik, Lichtschranken, Motor und Steuerung. „Das sind komplexe Produkte, in denen viel Elektro- und Steuerungstechnik steckt“, sagt Hermann.

Für ihn ist das der richtige Weg. Den Produktbereich will er ausbauen und sich über Komplettlösungen für das Probenhandling im Medizinbereich ein weiteres Standbein schaffen. „Wir streben den gesunden Mix an“, betont er. „Mit Serienteilen als Grundauslastung, eigenen Produkten und Prototypenfertigung.“ So bleibt bei Hermann Blechtechnik viel in Bewegung.

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Herbst 2011.



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Tüftlerunternehmen mit Blick
für Zukunftstechnologien

Wer:

Alfred Hermann GmbH & Co., Schorndorf. Gegründet 1949, 15 Mitarbeiter. www.blechtechnik.de

Hot Chili & D.A.R.T GmbH, Schorndorf. Gegründet 1993, 5 Mitarbeiter.
www.hot-chili.com

Was:

Hermann Blechtechnik ist Spezialist für Prototypen, fertigt Teile für die Automobilindustrie und Bandsysteme für die Medizinbranche. Hot Chili konzentriert sich auf Entwicklung und Engineering von neuen Mobilitätskonzepten. Schwerpunkte: Hot-Chili-Mountainbikes, Elmoto, Streetstepper

Womit:

TruMatic 6000, TruBend 7036

Bunte Vielfalt: Hermann findet auch für die kniffeligsten Teile eine Lösung und hat sich damit einen Namen gemacht.


Die Elmoto-Elektroräder begeistern Bernd (links) und Markus Hermann gleichermaßen.


Scharf bis ins Detail: Mit den Hot-Chili-Rädern beschäftigt sich Hermann genauso intensiv wie mit alternativen Antrieben.

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