Viel Herzblut und ne gute Tasse Kaffee Bruno Vogelsang bringt das Schweizer Unternehmen Verwo auf neuen Kurs.

Cooler Typ mit heißer Tasse: Bruno Vogelsang leitet seit zehn Jahren die Geschicke der Verwo Gruppe.

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Viel Herzblut und ne gute Tasse Kaffee

Bruno Vogelsang geht mit der Verwo Gruppe ruhig, aber bestimmt seinen Weg. Mit modernsten Technologien und Fokus auf schlanke Prozesse will er in puncto Blechbearbeitung ein Vorbild für die Schweizer Industrie sein.

„Schmeckt ganz gut, oddrr?“, fragt Verwo-Geschäftsführer Bruno Vogelsang ver­schmitzt, wenn er Besuchern eine Tasse Hightech-Kaffee ausschenkt. In der licht­durchfluteten Cafeteria seines Hauptsitzes in Reichenberg, eine halbe Stunde vor Zürich, steht er, der topmoderne Kaffeeautomat der britischen Kette Costa.

Verwo_Tassenabstellflaeche

Exakte Schnittkanten und die perfekte Sichtschweißnaht im Radius: die Tassen­abstellfläche.

Er besitzt unzählige Funktionen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie über­haupt braucht. Unabhängig davon, ob man nun einen Frappuccino mit Strawberry-Flavour zusammenmixen möchte oder nicht, bietet er aber auch einiges für das fach­männische Auge des Blechbearbeiters.

Allein das anspruchsvoll geformte Blech­ensemble, auf das der Kaffee­becher gestellt wird, besticht durch exakte Schnitt­kanten und die perfekte Sichtschweißnaht im Radius. Dies ist nur eines von über 300 Einzelteilen für Trägerrahmen und Innenleben, die bei Verwo gefertigt werden. „Bei diesem Projekt durften wir wirklich unser ganzes Können ausspielen“, sagt Vogelsang stolz. „Und ich spreche nicht nur von top gefertigten Komponenten.“

Verwo_Kaffeeautomat_Trägerr

Auf dem 3-D-Lasersystem TruLaser Cell 7040, der TruMatic 6000 und der TruLaser 3030 fertigt Verwo Teile des Trägerrahmens des Costa Kaffeeautomaten.

Die TruLaser Cell 7040 in Aktion.

Den Prozess zu Ende denken

Was Vogelsang damit meint, wird schnell klar, wenn er von dem Projekt berichtet: „Zu Beginn hatten wir zugegebenermaßen etwas Glück, als ich unverbindlich beim renommierten Schweizer Kaffeemaschinenhersteller Thermoplan anrief.“ Ein klas­sischer Fall von perfektem Timing, denn Vogelsang wurde gleich zum Kick-off-Termin für das Costa-Projekt am nächsten Tag eingeladen. Dort galt es, zwei andere Bewerber für die Fertigung des Trägerrahmens auszustechen. Vogelsang punktete mit seinem modernen Maschinenpark — Verwo setzt neben einer 2-D-Lasermaschine und einer Stanz-Laser-Maschine auch auf ein hochmodernes 3-D-Lasersystem von TRUMPF. Darüber hinaus überzeugte Vogelsang vor allem mit seinem Denkansatz, die komplette Logistikkette von Anfang an voll auf Lean Production auszulegen.

Verwo_Lean-Production

Verwo setzt neben einer 2-D-Lasermaschine und einer Stanz-Laser-Maschine auch auf ein hochmodernes 3-D-Lasersystem von TRUMPF.

Verwo bekam den Zuschlag und machte sich mit seinem Team an das Großprojekt. Das „Groß“ ist durchaus wörtlich zu nehmen, sowohl was den riesigen Engineering-Bedarf mit den vielen Einzelteilen als auch was die Maße des mannshohen Kaffee­automaten betrifft. Denn Verwo setzt in seiner Produktion auf One-Piece-Flow, bei dem das Werkstück von Anfang bis Ende durch die Fertigung fließt. Ein solcher Riese will da erst einmal integriert werden.

Verwo_Kaffeeautomat

Der Kaffeeautomat spricht alle fünf Sinne an, verströmt etwa appetitmachenden Kaffeeduft oder spielt vom Rolling-Stones-Produzenten entworfene Sounds.

„Wir schreckten davor aber nicht zurück und entwickelten ein Konzept, das auch Optimierungsansätze für alle anderen Zulieferer enthielt“, sagt Vogelsang. „Zum Beispiel stellte Thermoplan selbst mit unserer Unterstützung in der Endmontage auf One-Piece-Flow um.“ Die Verwo-Planer dachten sogar bis hin zur eigentlichen Inbetriebnahme. So mussten für den Aufbau des Vorgängerautomaten stets zwei Mann ausrücken, die gut acht Stunden damit beschäftigt waren, das Gerät in Position zu hieven und anzuschließen — zu um­ständlich, zu aufwendig. Vogelsang erinnert sich: „Die Lösung waren die soge­nannten ‚landing gears‘, angelehnt an das Fahrwerk eines Flugzeugs. Diese können bequem mit einem Schraubenschlüssel ausgefahren werden. So kann ein Costa-Mitarbeiter die Transportpalette einfach entfernen, die Vorrichtung wieder einfahren und, voilà, in weniger als der Hälfte der ursprünglichen Montagezeit kann der Kaffee fließen!“

Nach der Konzeptphase ging es Schlag auf Schlag. Innerhalb von zwei Monaten entstand der erste Prototyp. Nur neun Monate nach dem Kick-off wurde in Turin das finale Produkt präsentiert. Die Serienproduktion startete 2014 mit 500 Kaffeeauto­maten, in den Folgejahren sind jährlich 2.000 geplant. Wenn Vogelsang von diesem Projektablauf erzählt, ist seine Zufriedenheit greifbar. Sein Mut zur Verände­rung hat sich gelohnt. Vor zehn Jahren wäre ein solcher Auftrag für Verwo noch nicht möglich gewesen.

Herr Vogelsang wirbelt Staub auf 

Die Lage sah nämlich ganz anders aus, als er 2004 mit gerade einmal 28 Jahren die Geschäftsleitung von Verwo übernahm. Aus seiner Sicht hatte sich über die mehr als hundert Jahre währende Firmengeschichte von Verwo zu viel Staub angesammelt. „Wir tanzten einfach auf zu vielen Hochzeiten, vertrieben etwa unter unserem Namen Türen und Fenster. Die Kunden hatten kein klares Bild von uns“, sagt Vogelsang, der sich damals sofort daranmachte, den Staub gründlich aufzu­wirbeln.„Wir warfen überflüssigen Ballast über Bord und konzentrierten uns konsequent aufs Blech.“

Verwo_Fertigung

Vogelsang und seine Mannschaft verfolgen eine gemeinsame Mission: die Schweizer Industrie mit Lean Production und modernen Technologien konkurrenzfähig halten.

Dazu investierte er gehörig in seinen Maschinenpark. Doch wie das Costa-Projekt zeigt, braucht es manchmal noch mehr als gute Hardware. Deshalb ent­schloss sich Vogelsang, seine Leiden­schaft für Lean Production nach außen zu tragen und mit gutem Vorbild voranzuge­hen. Er gründete mit der Verwo Service AG einen eigenen Bereich für Prozessopti­mierung, die seine Kunden dabei unter­stützt, im Hochlohnland Schweiz mit herstellender Industrie konkurrenzfähig zu bleiben. Eine Mission, die von allen 160 Mitarbeitern mit viel Herzblut mitgetragen wird. Sie arbeiten kräftig daran mit, auch intern jedweder Verschwendung nach den Prinzipien von Lean Management auf die Spur zu kommen. Erfolge wie das Costa-Projekt geben Vogelsang recht. Trotz unsicherer Wirtschaftslage in der Alpennation kann er immer noch entspannt seinen Kaffee genießen.

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Sommer 2015.



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Frischer Wind im Traditionsunternehmen

Wer:

Verwo, Reichenburg und Spreitenbach, Schweiz. Gegründet 1889.  160 Mitarbeiter. www.verwo.ch

Was:

Schweizer Zulieferer für Blechkomponenten, Systemlösungen sowie Entsorgungssysteme. Außerdem Dienstleistungen im Bereich Prozessoptimierung

Womit:

TruLaser Cell 7040, TruLaser 3030, TruMatic 6000

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