„Wir sind den Teilen hinterhergereist“ Was tun, wenn Aufträge wegbrechen? Dorthin gehen, wo sie sind! LST-Chef Ludger Meier hat das gemacht und hat mit seinem zweiten Standort vollen Erfolg.

Ludger Meier und sein Sohn Florian wollten nicht akzeptieren, dass die Aufträge einfach weg sind. Mit einem zweiten Standort holten sie sie zurück. Werksleiter Waldemar Makowski (rechts) wagte den Sprung in den Süden.

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„Wir sind den Teilen hinterhergereist“

Was tun, wenn ein großer Auftrag wegbricht? „Dorthin gehen, wo potenzielle Kunden sitzen!“, dachte sich LST-Chef Ludger Meier und baute einen zweiten Standort im Herzen der Automobilindustrie.


Zwischen Hövelhof und Schwäbisch Gmünd liegen 450 Kilometer. Warum haben Sie ausgerechnet so weit im Süden einen zweiten Standort gegründet?

Ludger Meier: Wir hatten in Hövelhof eine speziell für uns entwickelte 3-D-Lasermaschine angeschafft , die größte Einzelinvestition zu der Zeit. Darauf haben wir große Karosserieseitenteile für die Automobilindustrie geschnitten. Die Aufträge brachen weg, als ein Kunde in Konkurs ging. Mit dem verbleibenden Spektrum war die Maschine nicht mehr ausgelastet. Darum haben wir recherchiert, wo die Bauteile hingegangen sind und stellten fest: in den Süden. So entstand die Idee, mit der Maschine hinter den Aufträgen herzureisen. Wir hatten ohnehin schon überlegt, in den Großraum Stuttgart zu gehen, da es hier viele Automobilhersteller gibt. Eigentlich wollten wir Hallen mieten, fanden aber nichts Passendes. Und so haben wir uns entschlossen, zu bauen. Die Produktion begann im Juni 2005. Anfangs auf 1.500 Quadratmetern — und heute sind es bereits 6.000 Quadratmeter.

So nah an den Kunden zu sein, erfordert erst einmal enorme Investitionen und birgt ein hohes Risiko. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ludger Meier: Eigentlich dachte ich, wir wären für den Start gut mit Aufträgen versorgt. Doch es lief nicht immer alles nach Plan: Ich kannte beispielsweise den Geschäftsführer eines österreichischen Kunden, den wir schon aus Hövelhof belieferten. Und als wir in den Süden gingen, sagte er: „Eine Maschine mache ich dir voll.“ Heute st er dort gar nicht mehr Geschäftsführer und die Maschine hat er mir nie vollgemacht. Mit solchen Rückschlägen muss man natürlich auch klarkommen. Außerdem dachte ich mir, wenn ich hier um Schwäbisch Gmünd einen Kreis von 100 Kilometern ziehe, dann bin ich bei Audi, Porsche, BMW und Mercedes. Davon hatte ich mir viel versprochen, aber es ist doch zum großen Teil bei den Zulieferern dieser Automobiler geblieben. Unser direkter Nachbar hier hat uns dann sehr gut mit Aufträgen versorgt. Die Teile bekam das Unternehmen zuvor von einem Zulieferer, der 100 Kilometer entfernt ist. Wir konnten mit der unmittelbaren Nähe punkten.

LST-Sued

Auf 1.500 Quadratmetern begann LST Süd 2005 mit der Fertigung von ersten Teilen — heute sind es 6.000 Quadratmeter.

Wie haben Sie sichergestellt, dass die Standards aus dem Norden in den Süden gelangen?

Ludger Meier: Ich habe diesen Schritt nur gewagt, weil ich Leute fand, die bereit waren, hierherzuziehen. Denn es war wichtig, dass wir das Know-how, das wir im Norden über die Jahre aufgebaut haben, in den Süden transferieren. Das ging nur über qualifizierte Mitarbeiter. Mit unserem heutigen Werkleiter Waldemar Makowski hatte ich einen sehr guten Mitarbeiter, der bereits Erfahrung in Maschinenbedienung, Programmierung und Vorrichtungsbau gesammelt hatte. Und er war bereit, mit seiner zukünftigen Frau hierherzuziehen.

Waldemar Makowski: Ich habe mir zwei Wochen Bedenkzeit erbeten. Dann haben wir geschaut, ob wir uns überhaupt vorstellen können, hier zu leben. Von der Mentalität her passen die Ostwestfalen und die Schwaben ganz gut zusammen. Also haben wir das gemacht. Und heute fühlen wir uns hier heimisch.

Trotzdem eine mutige Entscheidung …

Waldemar Makowski: Ich sagte mir: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Was kannst du falsch machen, wenn du nachher wieder zurückdarfst?“ Und dass wir wieder nach Hövelhof können, falls es hier nicht klappt, war immer klar. Aus heutiger Sicht hat es sich gelohnt und alles läuft gut. Aber der Anfang war natürlich hart — privat und geschäftlich.

Ludger Meier: Mit Herrn Makowski sind ein Maschinenbediener, ein Vorrichtungsbauer und ein Programmierer hierhergekommen. Damit waren alle Disziplinen abgedeckt, um fehlerfreie Bauteile zu fertigen. Wobei damals Angebotswesen, Lieferschein- und Rechnungsschreibung aus Hövelhof kamen. Heute arbeitet der Standort bis auf die Buchhaltung autark.

Warum diese klare Trennung?

Ludger Meier: Der Hauptgrund waren die kurzen Reaktionszeiten. Und einen Vertriebler zu haben, der Schwäbisch spricht, ist nicht so verkehrt. Da ist das Vertrauen schneller hergestellt, als wenn dies ein Ostwestfale versuchen würde.

LST-Prototypenbau

Kurze Reaktionszeiten, auch im Prototypenbau: Vom Auftragseingang bis zum ersten Teil dürfen maximal drei Tage vergehen.

Unterscheiden sich die beiden Standorte auch beim Kundenspektrum?

Ludger Meier: Ja, in Schwäbisch Gmünd arbeiten wir zu 99 Prozent für die Automobilindustrie. In Hövelhof sind es verschiedenste Branchen und Produkte: Landmaschinenbau, Gehäuse für Steuerungen und Computer, schienengebundene Fahrzeuge, Möbelindustrie, Schiffsbau und Anlagenbau. Mir ist wichtig, dass wir nicht nur von einem Kunden oder einer Branche abhängig sind. Das habe ich immer beherzigt. Durch den Branchenmix werden branchenabhängige und saisonale Schwankungen in der Regel gut kompensiert.

Wie unterscheiden sich die Teile bei LST Süd von LST Nord?

Ludger Meier: Hier im Süden bilden wir Kleinserien und Prototypenbauteile ab und beliefern das Ersatzteilgeschäft. Am Stammsitz fertigen wir im 3-D-Laserbereich zudem Stückzahlen von bis zu 350.000 Bauteilen pro Jahr. Zehn Anlagen schneiden dort Großserien wie B-Säulen. Außerdem hat im Norden die Baugruppenfertigung einen hohen Stellenwert. Dadurch bedingt sind das 2-D-Laserschneiden, das Abkanten und Fräsen, die Fügetechnik und die Laser-Rohrbearbeitung stark ausgeprägt.

LST-Entwicklungsarbeit

Anders als bei den großen Serien ist im Prototypenbau viel Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit gefragt.

Sie arbeiten an beiden Standorten mit Maschinen von TRUMPF. Warum?

Ludger Meier: Wir haben mit TRUMPF vor über 25 Jahren angefangen. Damals habe ich mich mit einem Partner selbstständig gemacht. Wir dachten uns: „Lasern, das scheint die Zukunft zu sein!“ Also haben wir bei TRUMPF angerufen und zwei Tage später zum Vertreter gesagt: „Wir wollen zu zweit eine Lasermaschine kaufen.“ Die erste Maschine haben wir per Handschlag bestellt. Der damalige Vertriebschef sagte: „Wir brauchen so junge Leute wie euch, wenn ihr das nicht finanziert bekommt, nehmen wir sie zurück, das kostet euch nichts.“ Seitdem ist TRUMPF ein zuverlässiger Partner für uns.

Wie geht es mit zwei erfolgreichen Standorten für LST weiter?

Ludger Meier: Ich möchte, dass LST auch künftig ein Familienunternehmen bleibt. Im Januar ist mein Sohn Florian mit eingestiegen. Seine Diplomarbeit hat er bei TRUMPF zum Thema Fügetechnik geschrieben und er hat dort im Schweißlabor wichtige Erfahrungen gesammelt.

Bedeutet das, LST steigt ins Laserschweißen ein?

Florian Meier: Technologisch wäre das für uns natürlich der nächste logische Schritt. Das setzt allerdings noch einiges an Informationsarbeit bei den Kunden voraus. Das Laserschweißen ist ein vergleichsweise neuer Prozess. Wir kennen die Vorteile, aber unsere Kunden wissen oft noch nicht, was alles möglich ist. Sie haben konventionell konstruiert und konventionell weitergedacht und müssen erst mal erkennen, welches Potenzial da drinsteckt.

 

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Schreiben Sie uns: Blechhelden@de.trumpf.com

Dieser Artikel erschien erstmals im Winter 2014.


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Zweites Standbein im Süden

Wer:

LST-Laserschneidtechnik GmbH, Hövelhof. Gegründet 1988,  250 Mitarbeiter.  LST-Süd GmbH, Schwäbisch Gmünd. Gegründet 2004,  40 Mitarbeiter. www.lstgmbh.de

Was:

Das Unternehmen fertigt am Standort Hövelhof komplexe Baugruppen für unterschiedlichste Branchen sowie Großserien für die Automobilindustrie. Von Schwäbisch Gmünd aus bedient  LST die Automobilindustrie mit Kleinserien und Prototypen

Womit:

Rund 60 Maschinen von TRUMPF, darunter 30 3-D-Lasersysteme,  2-D-Lasermaschinen, Biegemaschinen sowie Rohrschneidmaschinen

 

An beiden Standorten fertigt der Zulieferer auf Maschinen von TRUMPF.

 

So unterscheiden sich LST Süd und Nord

HÖVELHOF

Mitarbeiter:
250 Festangestellte, 40 Leiharbeiter

Branchen:
unter anderen Automobilindustrie, Maschinenbau, Landmaschinen, Gehäuse, Schienenfahrzeuge, Möbelindustrie, Schiffsbau, Anlagenbau

TRUMPF Maschinen: über 50

Teile: große Serien

Typisches Essen: Grünkohl mit Kohlwurst

SCHWÄBISCH GMÜND

Mitarbeiter:
40 Festangestellte,
10 Leiharbeiter

Branchen: Automobilindustrie

TRUMPF Maschinen:

Teile: kleine Serien

Typisches Essen: Linsen mit Spätzle

 

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